Kultur Nachrichten
Geduld der Gläubigen ist strapaziert

Mittwoch, 01.06.2011, 16:06 Uhr

Münster - Am Ende einer zweieinviertelstündigen Debatte standen Aussagen mit geringem Neuigkeitswert . „Zum Dialog gibt es keine Alternative“, meinte der münstersche Pastoraltheologe Prof. Reinhard Feiter , Mitunterzeichner des Memorandums, in dem allein 240 Theologen aus dem deutschsprachigen Raum Reformen in der katholischen Kirche anmahnen. Der münstersche Weihbischof Stefan Zekorn konnte dieser Aussage zustimmen: „Theologie ist etwas Dialogisches.“

Rund 400 Zuhörer im rappelvollen Auditorium maximum der Uni Münster, vom jungen Theologiestudenten bis zur reifen Seniorin, hatten bis dahin eine Podiumsdiskussion erlebt, die weniger zukunftsorientiert als rückwärtsgewandt verlief. Denn Moderatorin Viola van Melis, Leiterin des Zentrums für Wissenschaftskommunikation des Exzellenzclusters Religion und Politik, betrieb zunächst und vor allem Motivforschung unter den Diskussionsteilnehmern. So begründete die Direktorin des Ökumenischen Instituts, Dorothea Sattler, dass sie das Memorandum in der gestellten Frist von einem Tag nicht habe unterschreiben können, auch wenn sie viele Anliegen mittrage. Der Weg der Theologie sei aber das geduldige Sprechen und Argumentieren. Marianne Heimbach-Steins, Professorin für christliche Sozialwissenschaften, rechtfertigte hingegen Zeitpunkt und Inhalt des Memorandums. Es sei zudem Teil des von den Bischöfen angestoßenen Dialogprozesses: „Wir haben als Theologen ein öffentliches Amt und so darf man auch die Zuspitzung und die öffentliche Stellungnahme wagen.“ Stefan Zekorn nannte eine solche Vorgehensweise legitim, bezweifelte allerdings, ob die Vorgehensweise klug sei: „Wenn ich in einem Gespräch bin, dann fördert es das Gespräch nicht, wenn ich ein Plakat hochhalte und sage: ,Das sind meine Forderungen!.“

Margret Pernhorst, bis 2010 langjährige Vorsitzendes des Diözesankomitees der Katholiken im Bistum Münster, begrüßte das Memorandum: „Es bestärkt uns in unseren Praxiserfahrungen“, sagte Pernhorst. Großraumgemeinden, wenig Mitsprache, Frustration bei den älteren Christen, sich abwendende Jugendliche. Alles dies wertete sie als Alarmsignale.

Gibt es Ansätze, Kirche wieder attraktiv und anziehend zu machen? Diese Frage kam am Dienstagabend viel zu kurz. „Wenn ich ein Patentrezept hätte, wäre ich wahrscheinlich ein Hero“, meinte Stefan Zekorn. Gemeinden müssten suchenden Menschen Möglichkeiten geben, anzudocken. Möglicherweise sei die Zeit nach der Firmkatechese besonders wichtig, junge Menschen an die Kirche zu binden, so der Weihbischof, der jedoch auch die Sorge durchblicken ließ, dass die Kluft zwischen Bewahrern und Reformern in der Kirche immer größer werden könnte. Zwischen Applaus und Murren schwankte die Stimmung im Audimax. Auf einem Zettel mit gesammelten Anregungen zur Debatte stand der symptomatische Satz einer Seniorin: „Ich bin jetzt bald 80. Ich möchte mich nicht mehr mit dem Wort ,Geduld vertrösten lassen.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/126925?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F201%2F594141%2F594152%2F
Lagerhalle einer Zimmerei an der K 20 völlig zerstört
Großalarm für die Feuerwehr am Ostersonntag um kurz vor 16 Uhr. Zwei Löschzüge aus Everswinkel und Alverskirchen sowie eine Drehleiter aus Sendenhorst werden zur Brandbekämpfung alarmiert.
Nachrichten-Ticker