Filmfestival Münster
Westfalens kreativer Nachwuchs - Zwei Jung-Regisseure erzählen

Dienstag, 20.09.2011, 18:09 Uhr

Münster / Gronau - Marc Rensing mag den Münster-Tatort. „Der ist mal eine schöne Abwechslung zum Rest der Reihe.“ Der 37-Jährige kann mitreden, ist er als Regisseur und Absolvent der Filmakademie Baden-Württemberg doch jüngst selbst vom Südwestrundfunk ge­fragt worden, ob er einen Tatort drehen möchte.

Der gebürtige Gronauer lehnte ab - und entschied sich, erst einen eigenen Kinofilm zu drehen. „Eine Tragikomödie über ei­ne ältere Frau, die den Ärmelkanal durchschwimmt.“

Aus dem Münsterland in die Filmmetropolen des Landes: Der Wahl-Berliner hat´s geschafft. Allein, er möchte das so drastisch nicht formulieren. „Ich kann jetzt Sachen machen, die mich interessieren, das ist ein gutes Gefühl.“ Möglich gemacht, sagt er, haben das eine gute Portion westfälischer Sturheit - und der Erfolg seines jüngsten Films „Parkour“ (2009), der das Filmfestival Hof eröffnete, diverse Preise abräumte und noch lange in den deutschen Kinos lief.

So abgedroschen das klingen mag: „Man ist nur so gut wie sein letzter Film“, umreißt Rensing seinen derzeitigen Marktwert. So war er auch nicht „sonderlich überrascht“, in die Jury des Filmfestivals Münster berufen zu werden. Hier wird er ab Mitte Oktober die Kurzfilme mitbewerten. „Da sind sehr junge Leute dabei mit zum Teil sehr geringen Budgets“, so äußert er Verständnis. Da könne man handwerklich kaum gro­ße Sprünge erwarten. „Wohl aber Originalität und Experimentierfreudigkeit in den Gedanken, das macht dann ein kleines Kunstwerk aus“, verrät der Münsterländer, worauf er beim Festival in Münster achten wird.

Einer, der hingegen noch am Anfang seines Weges steht, ist Jan-Malte Enning aus Lengerich. Der 28-Jährige studiert Kamera in Dortmund und ist beim Filmfestival mit zwei Arbeiten zu sehen. Einmal unter der Rubrik „Münster-Connection“ mit einem Musikvideo für die Band „Wirfürwen“, in dem er Kamera und Regie geführt hat. Und dann als Kameramann fürs Kunstprojekt „Wandernder Ort 2011“, das Geschichten aus der Region erzählt. Enning mag es, ganz klassisch mit der Videokamera loszuziehen, „ohne den ganzen Mob dahinter“, und dokumentarisch zu arbeiten. Wie eben bei „Wandernder Ort“. Film, Fernsehen, Werbung, wie es für ihn aber nach dem Studium weitergehen wird, ist noch offen.

Einen Einstieg hinzulegen wie etwa Marc Rensing, ist nicht einfach. Doch auch der brauchte einen langen Atem, denn bisweilen „gehen drei bis vier Jahre ins Land, bis ein Film gemacht ist“, erzählt er, „und man zweifelt sowieso immer“. Auch Filmfestival-Leiterin Nicky Schulte und Stefanie Haverkock, die bei der Filmwerkstatt Münster für die Seminare zuständig ist, haben so manches Talent kommen und gehen sehen. „Die stehen hier in der Tür und glauben, sie sind in zwei Jahren Regisseur, aber das klappt so nicht“, sagt Schulte.

Es gelte von unten anzufangen, um das Gesamtkon­strukt zu verstehen. Als Blocker oder Setrunner Drehorte abzusichern - da bekomme man alles mit und könne testen, „ob man dem überhaupt gewachsen ist, dem ganzen Stress beim Dreh“. Belastbar sein und teamfähig, „und später dann Netzwerke aufbauen“, zählt Enning Voraussetzungen auf. Ihm, sagt er, habe dabei die Filmwerkstatt geholfen.

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