Kultur Nachrichten
Im Parallel-Universum: 50 Jahre Perry Rhodan

Mittwoch, 07.09.2011, 00:09 Uhr

Berlin - Perry Rhodan wird 50. Wobei: Eigentlich lebt der Weltraumheld dank eines Zellaktivators schon mehr als 3000 Jahre. Am 8. September 1961, mitten im Kalten Krieg , erschien der erste Heftroman aus der Science-Fiction-Serie. Sie ist so deutsch wie Kuckucksuhren und Sauerkraut, wie eine liebevoll gemachte Doku zeigt, die «unseren Mann im All» zum Jubiläum ins Kino bringt. Mehr als 2600 Bände und 150 000 Seiten sind geschrieben. Immer noch verkauft der Pabel-Moewig Verlag (Rastatt) wöchentlich 80 000 Exemplare, dazu kommen eBooks und Hörbücher. «Star Trek» ist bekannter. Aber nach den Worten von Chefredakteur Klaus N. Frick ist «PR» die größte Sci-Fi-Serie der Welt, was den Umfang angeht. Allein im deutschsprachigen Raum ging sie demnach über eine Milliarde Mal über den Ladentisch. Schund? Von wegen. «Perry Rhodan» sei ein «hochkomplexer Romankosmos», erklärt Literaturkritiker Denis Scheck im Film. «Es ist so trivial wie "Die Odyssee".» Für neue Leser ist der Einstieg, etwa bei Heft 2610 («Die Entscheidung des Androiden»), keine leichte Mission. «Frequenz-Monarchie»? «Kosmokratenbeauftragter»? «Zwergandroide»? Auf den ersten Seiten stellt sich Verwirrung ein - wie vor einem Periodensystem der Elemente ohne Chemielehrer. Doch die Heftreihe hat ihre Fangemeinde. «Seit ich vor fast 50 Jahren im Alter von 10 den ersten Roman in den Händen hielt, hat mich das Perry-Fieber gepackt und bis heute nicht losgelassen», schwärmt ein Leser. Erfunden wurde die Saga von Walter Ernsting und Karl-Herbert Scheer (der von seinen Kritikern als «Handgranaten-Herbert» geschmäht wurde). Die Ausgangsidee: Perry Rhodan, Amerikaner und optisch ein Typ wie Harrison Ford, fliegt 1971 zum Mond, wo er einer außerirdischen Intelligenz begegnet, mit deren Technik er die Menschheit vereint. Er kämpft fortan als «Terraner» für Frieden und Ordnung im Weltraum. Perry reist zu fernen Galaxien und fremden Kulturen, die die Autoren detailliert ausmalen. Die Geschichten sind geprägt vom Zeitgeist: Früher waren es Kalter Krieg und Hippie-Ära, später Terrorismus und Klimawandel. Aktuell schreiben 11 Autoren, darunter eine Frau, an den «Zyklen». So heißen die 50 bis 100 Hefte umfassenden Handlungsabschnitte. «Risszeichner» bebildern die Geschichten mit Raumschiffen oder Robotern und lassen sich dabei auch mal von Gurkengläsern inspirieren. Das «Perrypedia»-Lexikon im Internet umfasst 24 000 Artikel. Jungskram, möchte man meinen. Die Hefte, erklärt der Verlag, werden zu gut 80 Prozent von Männern gelesen, «die meist technisch orientierte Berufe ausüben, einen gehobenen Schulabschluss haben und durchschnittlich zwischen 42 und 45 Jahre alt sind». Aber auch Mädchen, die sich sonst für Pferde und Voltigieren interessieren, mögen Perry Rhodan, lehrt die Kinodoku. Und Autor Christoph Dittert gibt zu: «Mein technisches Verständnis ist gleich null.» Handymenüs lässt er sich von seiner Frau erklären. Chefredakteur Frick erklärt die Faszination der Saga mit einem «Heimatgefühl» und immer neuen Geschichten. Er vergleicht es mit Fernsehserien wie der «Lindenstraße» - bei der man beim Reinzappen zunächst auch nichts verstehe. Den Einstieg ins «Perryversum» hält Frick auch mitten in den Handlungszyklen für möglich, was dann ein bisschen mühsamer sei. Anfängern empfiehlt er eine Ausgabe mit einer «Doppelnull»-Nummer oder eine Subserie. Die Zukunft der Serie sieht der 47-Jährige trotz des schwächelnden Medienmarkts «komplett gelassen»: Der Heftroman werde seit 25 Jahren totgesagt. Er ist überzeugt, dass Downloads künftig noch mehr genutzt werden. «Ich bin sicher, dass der Romanheld und seine Abenteuer noch mal eine Generation begeistern werden.» Seite zur Heftserie Perrypedia

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