Bittere Erkenntnisse am Bosporus
Hauptpreis des Filmfestivals in Münster geht an „Majority“

Montag, 17.10.2011, 10:10 Uhr

Münster - Istanbul, wie man es nicht in Prospekten sieht, ist Schauplatz des türkischen Dramas „Majority“, das auf dem 14. Filmfestival Münster den Regiepreis des Europäischen Spielfilmwettbewerbs erhielt. Der Preis ist mit 7500 Euro dotiert.

Regisseur Seren Yüce , der als Regieassistent von Fatih Akin bei „Auf der anderen Seite“ begann, schildert in seinem Regiedebüt die scheiternde sanfte Rebellion des Sohns eines Bauunternehmers, der nicht über den Schatten des mächtigen Vaters springen kann.

Yüce zeichnet die staatstragende türkische Mittelschicht, um deren Wertevorstellungen es hier geht, mit desillusionierendem Blick. Der junge Mertkan, verliebt in die kurdische Kellnerin Gül, merkt nicht, dass Gül sein Rettungsanker sein könnte, gibt auf und arbeitet weiter in der Firma seines Vaters.

Die Jury, der Publizist Oliver Baumgarten, Produzent Markus Halberschmidt, Regisseur Sven Taddicken („Emmas Glück“) und Schauspieler Egbert-Jan Weeber angehörtem, würdigte den Film als „subtil erzählt, präzise inszeniert und brillant gespielt“.

Er fasziniere und erschrecke gleichermaßen. Im Rahmen des Deutschen Kurzfilmwettbewerbs ging der Große Preis der Jury der Filmwerkstatt Münster, dotiert mit 5000 Euro, zu gleichen Teilen an den Animations- und Kurzspielfilm „Leonids Geschichte“ von Rainer Ludwigs und Tetyana Chernyawska, die in einer brillanten Montage „von Schicksalen im Schatten von Tschernobyl“ erzählen, und an den Kurzspielfilm „Vatermutterkind“ von Daniel Karl Krause, der über die „Generation Ewige Jugend“ reflektiert.

Mit dem Förderpreis des WDR-Studio Münster (3000 Euro) wurde der 31-minütige Kurzspielfilm „Jessi“ von Mariejosephin Schneider ausgezeichnet, die von dem elfjährigen, von Luzie Ahrens eindrucksvoll verkörperten Mädchen Jessi erzählt, das zwischen Mutter, Stiefmutter, Schwester und Heim ihren Weg ins Leben sucht.

Den von den Münsterschen Filmtheaterbetrieben verliehe Publikumspreis, dotiert mit 1000 Euro, gewann die sechsminütige Fake-Dokumentation „The Centrifuge Brain Project“, den Preis der Schülerfilmjury der Film „Listenhunde“. Das Festival verzeichnete im austragenden Cineplex in Münster überraschend hohe Besucherzahlen bei den Kurzfilmvorstellungen.

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