Kultur Nachrichten
Rebellen und Radikale

Freitag, 14.10.2011, 00:10 Uhr

Münster - Eine Tramperin erfährt die Welt. Ein Sohn rebelliert gegen den Vater. Eine Rechtsradikale rebelliert gegen die Gesellschaft. Teenager im Kinderspital kämpfen gegen den Krebs. Es mangelt nicht an spannenden und aktuellen Themen und Geschichten in den Filmen, die das 14. Filmfestival Münster im Cineplex präsentiert. Das universelle Motto „Was das Leben zusammenhält“ trifft in Goethes Geist und Fausts Beitrag die Sektionen vom Kurzfilmwettbewerb bis zum Filmspiegel Niederlande. Höhepunkt des Filmfestivals ist der Europäische Spielfilmwettbewerb, und der am 29. Januar bundesweit anlaufende „Tambien la lluvia - Und dann der Regen“ der spanischen Regisseurin Icíar Bollaín , die am Originalschauplatz in Bolivien drehte, ist die packendste Produktion. Bollaín erzählt von einem Filmteam, das während der Dreharbeiten zu einem Film über Christoph Columbus in Cochabamba in die Auseinandersetzungen von als Statisten angeheuerten Indios und Bürgen gerät, die sich gegen die Privatisierung der Wasserversorgung zur Wehr setzen. Mit dem mexikanischen Weltstar Gael Garcia Bernal („Die Reise des jungen Che“) als idealistischem Regisseur und Luis Tosar, der dreimal den Goya als Bester Spanischer Darsteller gewann, als pragmatischem Produzenten läuft ein Drama um Ausbeutung und Rebellion im Regenwald ab, das auf einem authentischen Ereignis basiert und grandios Filmgeschichte zitiert. Wie in Federico Fellinis „La dolce vita“ transportiert ein Helikopter ein gigantisches Holzkreuz über den Urwald und die Welt. Während des Festivals treffen sich Filmemacher aus Europa, tauschen sich aus, stellen ihre Werke vor, so der aus Belgrad angereiste Regisseur Oleg Novkovic, der in „White, White World“ mit der Wucht einer griechischen Tragödie von Mord, Sex, Rache, Inzest und Ödipus als Boxer und Barbesitzer erzählt. Dafür hat Novkovic eine aufregende Filmsprache gefunden. Im türkischen Beitrag „Majority“ wird ein kritischer Blick auf die Mittelschicht des Landes geworfen, in der deutschen Debütarbeit „Die Kriegerin“ auf Rituale von Rechtsradikalen, im Schweizer Drama „Stationspiraten“ auf krebskranke Teenager, und in „Limbo“ muss eine Norwegerin in Trinidad ihr Leben neu sortieren. Terror und Trauma bestimmen „22nd of May“ aus Flandern, und in der niederländisch-belgischen Produktion „Portable Life“ folgt eine „Sea“ genannte Tramperin ihren Träumen. Wenn das nicht Filme mit Aussicht sind. Am Sonntag ist Preisvergabe.

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