Bis zum feinsten Pinselstrich
Das Werk des Alten Meisters Lucas Cranach wird aufwendig digitalisiert

Düsseldorf -

Lucas Cranach der Ältere (1472-1553), höchst geschäftstüchtiger deutscher Renaissance-Maler, wurde lange Zeit nur in zweiter Reihe nach Holbein und Dürer genannt. Denn Cranach lieferte mitsamt seiner Werkstatt Bilder, Porträts und Altarwerke in Massenproduktion. Doch in jüngster Zeit wurde er wiederentdeckt und in großen Ausstellungen von Paris und London bis München gewürdigt. Seit wenigen Tagen ist nun die Datenbank www.lucas­cranach.org freigeschaltet und öffentlich zugänglich. Neun führende Museen in Europa und den USA haben sich unter der Leitung des Cranach-Forschers Gunnar Heydenreich von der Fachhochschule Köln zusammengetan, um ein digitales Werkverzeichnis des Serienmalers zu erstellen.

Dienstag, 31.01.2012, 10:01 Uhr

Bis zum feinsten Pinselstrich : Das Werk des Alten Meisters Lucas Cranach wird aufwendig digitalisiert
Ein Werk des Malers Lucas Cranach des Älteren (Heilige Familie, 1504), links als Detailbild aus dem Original, rechts als Ausschnitt einer Infrarot-Reflektografie. Experten können so Originale von Fälschungen unterscheiden. Foto: dpa

„Vergessen Sie Caravaggio. Der neue „heiße“ Alte Meister ist Lucas Cranach der Ältere “, schrieb kürzlich die britische Kunstzeitung „The Art Newspaper“. Weltweit sind heute noch mehr als 1500 Gemälde aus der Cranach-Werkstatt erhalten. Allein von Martin Luther stellten Cranach und seine Helfer zahlreiche Porträts her, die in großer Stückzahl in Europa verkauft wurden und damit auch die Ideen der Reformation verbreiteten.

Mehr als 400 Gemälde, über 450 Röntgenaufnahmen, 5000 hochauflösende Abbildungen, 1600 Literaturnachweise und 2000 Textseiten helfen Forschern künftig, den echten von dem Werkstatt-Cranach zu unterscheiden, Fälschungen zu erkennen, und Informationen zu immer wieder neu auf dem Markt auftauchenden Werken zu sammeln.

„Die Menge an Material passt in kein gedrucktes Werkverzeichnis“, sagte Heydenreich bei der Vorstellung des Projekts im ebenfalls beteiligten Düsseldorfer Museum Kunstpalast. Die Kunsthistoriker müssten nun nicht mehr durch die Museen in London , Paris und München reisen und Aktenschränke durcharbeiten – wenige Mausklicks genügen, und sie können vom heimischen Schreibtisch aus forschen. Übermalungen, Abschabungen, Reinigungsbeschädigungen an den Bildern können im Internet untersucht werden.

 

| www.lucascranach.org

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