Von Wind und Meer inspiriert
Picasso-Kunstmuseum präsentiert „Hommage an Chillida“

Münster -

Schade, dass man das Meer nicht ins Museum holen kann. Etwa den Atlantik, der im baskenländischen San Sebastián eine Art Bühnenbild abgibt für die monumentalen „Windkämme“ des Bildhauers Eduardo Chillida. Und doch: Wer im münsterschen Kunstmuseum Pablo Picasso die aufgereihten kleineren „Windkämme“ betrachtet und dazu noch ein Foto von San Sebastián sieht, der fühlt sich an einen Ort am Meer versetzt.

Freitag, 27.01.2012, 06:01 Uhr

Von Wind und Meer inspiriert : Picasso-Kunstmuseum präsentiert „Hommage an Chillida“
Stahlskulpturen Eduardo Chillidas wie diese „Umarmung“ sind derzeit im Picassomuseum zu sehen. Foto: Wilfried Gerharz

Ignacio Chillida , der älteste Sohn des vor zehn Jahren verstorbenen Künstlers, hat die Ausstellung gestaltet. Er weist vorsorglich darauf hin, dass sie sich von ihrer Vorgängerin, der großen Chillida-Schau im südfranzösischen Saint-Paul de Vence , unterscheide, weil sie ja zum Ort passen müsse – und trifft mit dieser Begründung ins Schwarze. Denn obwohl vorwiegend chronologisch angeordnet, fügt sich die Ausstellung geradezu spektakulär den unterschiedlichen Museumsräumen ein.

<p>Restauratorin Stephanie Keinert begutachtet den Zustand der Werke aus Alabaster.</p>

Restauratorin Stephanie Keinert begutachtet den Zustand der Werke aus Alabaster.

So mündet der längliche Raum der „ Windkämme “ in den großen Saal der ersten Etage, der die Betrachter mit der gleichermaßen wuchtigen wie hell schimmernden „Lobrede auf das Licht“ aus Alabaster empfängt, der Eisenskulpturen wie „Das Haus von Johann Sebastian Bach “ an der einen Seite aufreiht und gegenüber schöne Ton-Arbeiten auf Tischen präsentiert. Von der Stirnwand blickt einem das einzigartige Wandbild aus Beton und Kupferoxid entgegen. Und mittendrin die würfelförmige, verschlungene Skulptur „Locmaria quer“, die tonnenschwer und optisch leicht zugleich ist. Schöner lässt sich dieser Raum schwerlich gestalten.

Wer Chillidas abstrakten Formen skeptisch gegenüberstehen sollte, der mag angesichts früher Zeichnungen ins Grübeln kommen: Sie sind mit leichter Hand so brillant gestaltet, dass der Künstler selbst zeitweise auf die linke Hand wechselte, um die rein manuelle Arbeit zu verlangsamen, damit der Geist nicht ins Nachsehen gerät. Und dass es auf den Geist ankommt, dokumentieren auch die Malerbücher im Obergeschoss: Johann Sebastian Bach oder Martin Heidegger tauchen dort als Dialogpartner des baskischen Künstlers auf. Von den großen Inspirationsquellen seines Vaters spricht auch Ignacio Chillida: „Bach – und das Meer“.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/644037?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F201%2F595918%2F595919%2F
Nachrichten-Ticker