Kultur
Kabarett mit kommunistischem Känguru

Mainz (dpa) - Die Gewinner erscheinen fast alle in Schwarz, aber die Farbe ist das einzig Düstere bei der Verleihung des Deutschen Kleinkunstpreises im Mainzer Unterhaus.

Montag, 27.02.2012, 16:02 Uhr

Kultur : Kabarett mit kommunistischem Känguru
Die Preisträger. Foto: Fredrik von Erichsen Foto: dpa

Georg Schramm , Marc-Uwe Kling , Martin O., Christine Prayon und Max Uthoff werden am Sonntagabend geehrt - und sorgen mit ihren Darbietungen für helle Begeisterung. Darin enthalten: Reichlich Seitenhiebe - vor allem in Richtung Politik. Auch der Kabarettist Volker Pispers, der die Preisverleihung moderiert, hält sich nicht zurück, etwa mit Blick auf Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ex-Bundespräsident Christian Wulff. «Wem die Herrin ein Amt gibt, gibt sie noch lange keinen Verstand», spottet er etwa.

Der zum 40. Mal vergebene Preis gilt als eine der bedeutendsten Auszeichnungen für Kleinkünstler im deutschsprachigen Raum. Schramm, unter anderem bekannt aus der ZDF-Sendung «Neues aus der Anstalt», war vergangene Woche kurzfristig selbst als möglicher Präsidentschaftskandidat im Gespräch. Darauf geht er jedoch mit keinem Wort ein, als er über die Macht der Worte spricht und über die Sprache der Politiker schimpft. Er wünscht sich Fernsehjournalisten, die ihren Gästen bei nichtssagenden Antworten das Wort entziehen. «Die Politiker sprechen, um nichts zu sagen», meint er unter dem Gejohle der Zuschauer. «Sie entleeren ihre undichten Sprechblasen. Ab und zu wird die Klofrau ausgewechselt und heißt dann Jauch», sagt der Kabarettist, der den Ehrenpreis des Landes Rheinland-Pfalz erhält.

Der bayerische Jurist Uthoff, der in der Sparte Kabarett geehrt wird, lästert ebenfalls über die Politik, vor allem in seinem Heimatland. Für ihn ist Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber der «Jäger des verlorenen Satzes», und die politischen Hoffnungsträger, sagt er, überlegten sich bei einem Spaziergang auf dem Friedhof, «ob sich der Heimweg noch lohnt». Der singende Schweizer Martin O., der in der Sparte Chanson/Lied/Musik ausgezeichnet wird, ist ein Stimmwunder, das nur mit Geräuschen ganze Geschichten erzählt. Eine Band braucht er nicht: Den Sound von Schlagzeug, E-Gitarre und Trompete macht er mit seinem Mund.

Schauspielerin Prayon - die Gewinnerin des Förderpreises - wechselt so schnell ihre Rollen, dass die Zuschauer kaum hinterher kommen. Zum Schluss rezitiert sie mit pathetischer Stimme Texte des Comedians Mario Barth: «Kein Witz. Ne echt. Ne wahre Geschichte.»

Besonders schräg wirkt Kling, der in der Kategorie Kleinkunst geehrt wird. Der «unorthodoxe Weltbetrachter», so die Jury, singt ein «Randgruppen-Lied» über einen Terroristen mit Flugangst und erzählt von seinem kommunistischen Känguru , mit dem er angeblich «in einer ganz normalen WG» zusammenlebt. Dieses habe überlegt, wie sich die Aussage eines bekannten Zitats verändere, wenn dieses einem anderen Sprecher zugeordnet wird. Etwa «Dafür steh' ich mit meinem Namen» - in der Version von Karl-Theodor zu Guttenberg, oder «Warum schickst du mich in die Hölle, Hölle, Hölle» - von Bischof Walter Mixa. Kling erhält wie die anderen Preisträger 5000 Euro und die Nachbildung jener Glocke, mit der in dem Theater immer zur Vorstellung geläutet wird.

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