Kultur
Neue Fotokunst in Düsseldorf

Düsseldorf (dpa) - Großartig, dieses Alpenpanorama: die hohen Tannen und schneebedeckten Berge. Wie romantische Landschaftsgemälde wirken die wandgroßen Fotos vom Obersalzberg.

Donnerstag, 02.02.2012, 16:02 Uhr

Kultur : Neue Fotokunst in Düsseldorf
Drama in den Arbeiten von Alex Prager. Foto: Roland Weihrauch Foto: dpa

Der Mensch wird in diesem Panorama ganz klein: Man muss schon nah ans Bild gehen, um den pinkelnden Nazi in SS-Uniform zu erkennen. Der Fotokünstler Andreas Mühe , Sohn des 2007 gestorbenen Schauspielers Ulrich Mühe, spielt auf perfide Weise mit der dunklen Geschichte des idyllischen Alpenberges, der Feriendomizil und zweiter Regierungssitz Hitlers war.

Mühe gehört zu den Fotokünstlern einer neuen Generation, bei der die Grenzen von Fotografie, Malerei und Objektkunst verschwimmen. Digitale Bearbeitung ist ebenso selbstverständlich wie das klassische dadaistische Mittel der Collage.

Die Fotokunst von morgen zeigt das NRW-Forum in Düsseldorf mit der Ausstellung «State of the Art Photography» (bis 6. Mai). Namhafte Künstler und Ausstellungsmacher wie Andreas Gursky, Udo Kittelmann (Direktor der Berliner Nationalgalerie) und Klaus Biesenbach (Medienkunst-Kurator am New Yorker Museum of Modern Art ) haben 41 vielversprechende Fotokünstler ausgewählt.

Als Fotografen kann man die Erschaffer dieser hybriden Arbeiten nicht mehr bezeichnen. «Es sind Künstler, die mit fotografischem Material arbeiten», sagt der Direktor des NRW-Forums Werner Lippert. Schließlich lehrt auch Gursky an der Düsseldorfer Kunstakademie nicht etwa am Fachbereich Fotografie, sondern Freie Kunst.

Ausgangspunkt für die fotografische Standortbestimmung sei die «inflationäre Allgegenwart» von Fotos im Zeitalter der Digitalisierung, heißt es im Begleitkatalog. Die Fotografie sei aus dem Ruder gelaufen. Gesucht würden «Juwelen» im «Meer der Banalitäten».

Eine unbändige Lust am Experiment zeichnet die Fotokünstler der Zukunft aus. Jeremy Shaw visualisiert seine jeweiligen Gehirnaktivitäten nach Alkohol- oder Haschischkonsum mit Hilfe der elektrischen Kirlian-Fotografie: Seine Fingerabdrücke bilden auratische Strahlenkränze.

Mischa Kuball konfrontiert die Technik von gestern mit Hightech von heute. Er legte eine Sofortbildkamera unter einen Computertomographen und erstellte eine Serie abstrakter Lichtbilder auf schwarzem Grund. Alex Grein produzierte am Computer aus Tausenden Schnipseln von Google-Earth-Satellitenaufnahmen romantische Felsen- und Eislandschaften.

Alter spielte bei der Auswahl der Künstler keine Rolle. So fasziniert der 1946 geborene Ulrich Hensel mit pastellfarbenen Farbkompositionen - es sind Fotos von Baustellenwänden. Auch vor der Zurschaustellung von Hässlichkeit schrecken die Künstler nicht zurück. Die Türkin Pinar Yolacan bemalt fettleibige Frauenkörper mit osmanischen Ornamenten und stellt damit das westliche Schönheitsideal infrage. Der Däne Asger Carlsen bearbeitet Aktbilder mit Photoshop, bis aus ihnen dadaistische kopflose und verrenkte Fleischskulpturen werden.

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