Den richtigen Ton treffen
Ostern und die Botschaft vom Leben

Vor Jahren versuchte eine noch junge Frau, die im gleichen Zugabteil mit mir eine längere Strecke fuhr, mich zu provozieren, indem sie das „katholische Getue mit Ostern und so“ in Frage stellte. Ostern sei für sie nur eine Farce, um der Düsterkeit des Lebens zu entkommen. Da wir Zeit hatten und allein im Abteil saßen, ergab es sich, dass sie von ihrem Leben und ihren Enttäuschungen erzählte. Es reichte ihr und sie hatte Ohren und Augen verschlossen, um weiteren Verletzungen zu entgehen. Sie hatte sich entschieden, Ostern nicht zu riskieren. Mitten im Gespräch musste ich leider aussteigen.

Freitag, 30.03.2012, 19:03 Uhr

Als ich in einem Heft der Hörakustik ein Interview mit der Schauspielerin Christine Neubauer las, fiel mir diese Begegnung wieder ein. Sie sagt: „Hören ist Hauptbestandteil meines Berufes und den richtigen Ton zu treffen, bedeutet auch, ihn zu hören.“ In der Osterliturgie wird feierlich das österliche Halleluja angekündigt und dann vom Bischof angestimmt. Wer den richtigen Ton des angestimmten Hallelujas nicht hört, kann ihn nicht aufgreifen und singen. Und wer nicht einstimmen kann, bleibt im Karsamstag stecken: Grabesruhe, ewiges Warten auf Leben? Ostern wird nicht einfach über uns verfügt. Wir müssen den Ton schon aufgreifen und dann selber singen. Es geht nicht darum, musikalisch zu sein, sondern darum, offene Ohren zu haben und vertrauensvoll einen angestimmten Ton übernehmen zu können. Das lässt sich im Alltag einüben, wenn wir aufeinander hören und voneinander den richtigen Ton übernehmen. Ancilla Röttger

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