Kultur
Nicht nur auf Deutsch: Neue Ära in der Komischen Oper

Berlin (dpa) - Die Komische Oper Berlin rüttelt an einer langen Tradition: «Wir werden nicht mehr alles auf Deutsch aufführen, aber auch nicht alles in Originalsprache», kündigte der neue Intendant Barrie Kosky am Mittwoch an. Er werde jeweils entscheiden, in welcher Sprache die Opern aufgeführt werden.

Mittwoch, 07.03.2012, 15:03 Uhr

Kultur : Nicht nur auf Deutsch: Neue Ära in der Komischen Oper
Barrie Kosky , der neue Intendant der Komischen Oper, stellte sich und das neue Programm seines Hauses vor. Foto: Maurizio Gambarini Foto: dpa

«Wir leben im 21. Jahrhundert, die Zeit für Mantras und Dogmen ist vorbei», sagte Kosky der Nachrichtenagentur dpa.

Der Gründer der Komischen Oper, Walter Felsenstein , hatte mit der Deutschsprachigkeit begonnen. «Tut es dem Stück gut, wenn es in Originalsprache oder auf Deutsch gesungen wird - das soll die Frage sein», sagte Kosky. Die Komische Oper definiere sich nicht über die Deutschsprachigkeit, sondern über Ensemblegeist, Spielfreude und Vielseitigkeit. Ohnehin würden 85 Prozent des Repertoires seines Hauses noch immer auf Deutsch gesungen.

In der kommenden Spielzeit will das kleinste der drei Berliner Opernhäuser zwölf Neuproduktionen herausbringen, darunter drei Uraufführungen. Dazu gehören eine Monteverdi-Trilogie unter Koskys Regie. An einem einzigen Tag werden zwölf Stunden lang drei Opern des Italieners aufgeführt. Kosky führt auch Regie bei einer neuen «Zauberflöte» sowie beim Musical «Ball im Savoy» aus den 30er Jahren. Als Auftragswerk hat die Österreicherin Olga Neuwirth Alban Bergs «Lulu» zu einer «American Lulu» verarbeitet.

Der 1967 geborene Kosky wird Nachfolger von Andreas Homoki, der mit dem Ende der Spielzeit zur Oper Zürich wechselt. Der Australier möchte an die Traditionen des historischen Hauses, des einstigen Metropol-Revuetheaters, knüpfen. Die in Deutschland übliche Trennung zwischen «seriöser Musik» und Unterhaltung wolle er aufbrechen.

«Es gibt eine deutsch-österreichisch-jüdische Tradition, die das Musikleben der 20er und 30er Jahre geprägt hat und vom Nationalsozialismus zerstört wurde», sagte Kosky. Die meisten Komponisten und Darsteller seien Juden gewesen, die ermordet oder ins Exil getrieben wurden. Bis heute sei diese Kultur in Deutschland verschüttet. «They killed the clowns», sagte Kosky. « Berlin war eine kosmopolitische Stadt und ist es heute wieder - das muss sich auch in der Komischen Oper spiegeln.»

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