Kultur
SoKo und die schmerzhafte Liebe

Berlin (dpa) - Die französische Sängerin SoKo redet nicht um den heißen Brei herum: In ihrem Song «I'll Kill Her» (Ich werde sie umbringen) bedroht sie unverblümt eine Nebenbuhlerin mit blond gebleichten Haaren, mit der ihr «Freund» lieber ausgeht. Starker Stoff.

Dienstag, 06.03.2012, 08:03 Uhr

Kultur : SoKo und die schmerzhafte Liebe
SoKo - ohne Alien. Foto: Ilaria Orsini Foto: dpa

Mit «I'll Kill Her» hat für die in Bordeaux geborene Französin alles angefangen. Zunächst auf SoKos MySpace-Seite veröffentlicht, dann auf einer EP erschienen, mauserte sich der Song in Dänemark zu einem Hit und landete im Oktober 2007 schließlich auf der Paris Fashion Week , wo ihn Stella McCartney für ihre Show einsetzte. Die Wege des Herrn sind manchmal verschlungen.

Ähnlich verschlungen und voller Heimtücke und Fallen ist die Liebe, die SoKo auf ihrem Debütalbum «I Thought I Was An Alien» in all ihren Verästelungen erkundet. Sehnsuchtsvoll, grausam, erfüllend, hässlich, schmerzlich, leidenschaftlich und leidend: Sehr persönlich sind SoKos Texte, die ihre düsteren Liebesballaden wunderbar charmant mit starkem französischen Akzent auf Englisch singt, haucht und spricht. Zauberhaft.

Sehr, sehr zerbrechlich wirkt diese Stimme, manchmal verzagt, manchmal von Schmerz belegt. Hier singt eine zumeist tief gequälte Seele über ihre Gefühle. Nur selten wird SoKo dabei lauter wie in dem Song «Don't You Touch Me», wo mal das Riot Grrrl in ihr durchbricht.

Ansonsten: «Im Grunde ist alles, was ich tue, mich auf meiner Gitarre ausheulen», meint Stéphanie Sokolinski aka SoKo. Und so erzählt sie von den Narben auf ihrem Herzen im aufwühlenden «Destruction Of The Disgusting Ugly Hate», das ruhig mit Drum-Machine und Orgelsound beginnend sich zu einem Klimax der Raserei steigert - ein einziger Aufschrei.

Die abenteuerliche und zumeist schmerzhafte Irrfahrt durch das Labyrinth der Liebe ist zugleich auch eine musikalische aufregende Reise als Singer-Songwriterin mit Gitarre («Happy Hippie Birthday») über Velvet-Underground-Anleihen («I Thought I Was An Alien»), Abstechern zu Syd Barrett («You Have A Power On Me») bis zu den Breeders («I Just Want To Make It New With You»). Aber aus welchen Quellen SoKo auch schöpfen mag, mit Lo-Fi-Charme, der reduzierten Instrumentierung und dem gequälten Gesang ist der Französin mit «I Thought I Was An Alien» ein ganz unverwechselbares Album gelungen. Superbe.

Tourneedaten: 31.03. Berlin - Privatclub, 01.04. München - Ampere, 02.04. Wiesbaden - Schlachthof, 03.04. Köln - Gebäude 9, 04.04. Hamburg - Molotow

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