Paul McCartney wird 70
Yesterday Man

Münster/Liverpool -

Gestern noch ein Beatle, heute bereits 70 Jahre alt. Paul McCartney: Ein Mann, ein Musiker, ein Multi-Millionär, bei dem die Superlative ausgehen, möchte man seine Erfolge aufzählen. Ein Künstler, über den alles geschrieben scheint, der aber immer noch zum Schreiben reizt.

Montag, 18.06.2012, 08:06 Uhr

Paul McCartney wird 70 : Yesterday Man
Der Mann verändert sich überhaupt nicht: Sir Paul McCartney bei den Feierlichkeiten zum Thronjubiläum von Königin Elizabeth II. am 4. Juni. Foto: dapd/Joel Ryan

Seine Fans nennen ihn liebevoll „Macca“ und er hat wohl die berühmtesten Augen der Musikgeschichte. Ein wenig schräg zur Nase stehend, so als hätte Jim Henson sie eine seiner Muppets-Puppen auf das Gesicht gedrückt.

Ein Gesicht, das man nicht vergisst. Der schöne Beatle mit dem verschmitzten Lächeln, das er sich bis heute bewahrt hat und das in den 60er Jahren Frauen reihenweise in die Ohnmacht getrieben hat. Oder zum hysterischen Kreischen, sodass die Musik, die er zusammen mit John , George und Ringo gemacht hat, gar nicht mehr zu hören gewesen ist.

Paul McCartney

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  • Der Sänger trifft die Queen.

    Foto: Dave Thompson
  • Paul McCartney 2012 bei einem Konzert in London.

    Foto: Tobias Hase
  • «Große Partys sind nichts für mich», sagte er im Interview mit «The Daily Telegraph». Lediglich ein paar enge Freunde und die Familie seien zu seiner Geburtstagsfeier eingeladen.

    Foto: Yui Mok
  • Die Beatles, (l-r) George Harrison, Paul McCartney, John Lennon und im Hintergrund am Schlagzeug Ringo Starr, treten am 24.06.1966 in München im Circus Krone-Bau auf.

    Foto: Gerhard Rauchwetter
  • Paul McCartney 2009 bei einem Konzert in Arnheim/Niederlande.

    Foto: Robert Vos

Sie liebten ihn: yeah, yeah, yeah. Sobald der zweitjüngste Beatle 1969 heiratet, bietet sein Privatleben knapp 30 Jahre lang wenig Aufregendes.

Seine Ehe mit Linda Eastman ist bis zu ihrem Tod die Vorzeigebeziehung. Selbst als man McCartney wegen Drogenbesitzes festnimmt, hinterlässt dies keinen nachhaltigen Imageschaden. Bezeichnend ist es, dass nicht seine Musik, sondern die Schlammschlacht mit seiner zweiten Frau Heather Mills ihn wieder in die Schlagzeilen bringt.

Mills

Trotzdem es ist eindimensional, ihn nur auf die erfolgreiche Zeit bei den Beatles zu reduzieren. McCartneys Mitkomponist John Lennon sang mal zweideutig über den Ex-Kollegen: Sein Talent sei gestrig und „Yesterday“ sein einzig gutes Lied gewesen.

Zugegeben, das Scharmützel der beiden Songschreiber hat McCartney selbst begonnen. Während der Beatles-Ära aber sind ihre Meinungsverschiedenheiten nützlich und fördern die wundervollen Lieder. Auf der Habenseite der McCartney-Kompositionen stehen „Hey Jude“, „Penny Lane“ und „Let It Be“.

Dass aber gerade McCartney in den Jahren nach der Beatles-Trennung 1970 Großartiges vollbringt, wie das an Country-Musik erinnernde „Sally G“, das James-Bond-Titellied „Live and Let Die“ oder das leider weithin unbekannte „Monkberry Moon Delight“, wird häufig verkannt. Seine Duette mit Michael Jackson und Stevie Wonder sind aus dem Radio nicht mehr wegzudenken.

Dennoch sehen gerade Medien McCartney als Schreiber einfältiger Liebeslieder. Belächelt werden seine Versuche, in der Klassik und jüngst im Jazz erfolgreich zu sein. Genial sind immer die anderen. Natürlich hat es sich der Liverpooler selbst zuzuschreiben, dass man sich nur an seine „Fab-Four“-Vergangenheit erinnert.

Schließlich schöpft er auf seinen Tourneen vorrangig aus dem alten Hit-Repertoire. Und so dürfte er leider weder für sein soziales Engagement noch für die Musik der vergangenen 20 Jahre in Erinnerung bleiben. Den Nimbus des Beatle wird er nicht los. Gerecht ist das nicht, man sollte es besser wissen. Aber gäbe es einen Nobelpreis für Musik, McCartney hätte ihn verdient. Dieser Superlativ fehlt ihm noch.   | www.paulmccartney.com

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