Kultur
«Die Klever sind Dummköpfe» - Schau über Friedrich

Minden (dpa) - Ausstellungen über Friedrich den Großen gibt es in Hülle und Fülle. Ob in Potsdam, Berlin, Kulmbach, im brandenburgischen Rheinsberg oder im polnischen Küstrin: Es geht um ihn als König, als Kartoffelstifter oder einfach um Friedrich von A bis Z.

Freitag, 24.08.2012, 15:08 Uhr

Zum 300. Geburtstag des Monarchen (1712-1786) wagt sich trotz der Fülle der Huldigungen auch das Preußen-Museum Nordrhein-Westfalen an ein Porträt des Hohenzollern. Es verweist auf die fast 350 Jahre gemeinsamer Geschichte von Westfalen, Rheinland und Brandenburg-Preußen.

Erstmals werden die besten Stücke aus den beiden Häusern des Preußen-Museums in Minden und Wesel in einer Ausstellung zusammengeführt, sagt Direktor Veit Veltzke . Rund 200 Exponate, darunter auch Leihgaben der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und aus dem niederländischen Schlösschen Huis Doorn, werden vom 26. August bis zum 21. Oktober in Minden und später auch in Wesel gezeigt - Titel: «Friedrich der Große. Mensch und Monarch».

Für Friedrich waren die westlichen Provinzen nur Nebenländer. Dennoch hinterließ Preußen hier tiefere Spuren als nur die Namen der Fußballvereine Preußen Münster oder die der Borussias (neulateinisch für Preußen) von Dortmund und Mönchengladbach, unterstreicht Direktor Veltzke.

So habe Preußen die Ruhr schiffbar machen lassen und damit erst die wirtschaftliche Entwicklung des Ruhrgebiets ermöglicht. Außerdem installierte Friedrich ein leistungsfähiges Beamtentum und erlaubte später eine gewisse ständische Selbstverwaltung. «Die damals errichteten Kriegs- und Domänenkammern waren die Vorläufer der heutigen Bezirksregierungen.»

In seiner unverblümten Art schrieb Friedrich nieder, was er von seinen Untertanen hielt. 1768 lobte er die Menschen aus dem Fürstentum Minden, weil sich die Bauern dort freiwillig für den Kriegsdienst gemeldet hatten: «Das ist das beste Volk der Welt, fleißig, arbeitsam und treu.»

Sehr viel schlechter kommen die Menschen vom Niederrhein weg, wo sich der Adel nur widerstrebend dem Willen des Königs gebeugt hatte, wenn überhaupt. «Die Klever sind Dummköpfe, wirr und im Rausch ihrer Väter gezeugt, die weder natürliche Talente noch erworbene Kenntnisse besitzen.»

«Wir konzentrieren uns auf den Menschen Friedrich», sagt Museumsdirektor Veltzke und verspricht: «Wir bringen Bilder zum Sprechen, die etwas Ungewöhnliches über Friedrich den Großen mitteilen.» So wird der Besucher zum Beispiel nicht mit dem Ölbild «Kronprinz Friedrich und seine Schwester Wilhelmine» alleine gelassen. Vielmehr wird die Geschichte hinter dem Bild erzählt, wonach der kleine Fritz sich geweigert haben soll, den Puppenwagen seiner Schwester zu ziehen. «Gut Trommeln ist mir nützlicher, als Spielen und lieber als Blumen», soll der Zweijährige ernst gesagt haben.

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