Sparkonzepte am Theater
Generalintendant Ulrich Peters zwischen Fröhlichkeit und Sorge

Münster -

Die Stimmung glich der eines ersten Schultages. Erwartungsvoll drängten sich die neuen Mitarbeiter des Theaters Münster, Schauspieler, Sänger, Dramaturgen und viele mehr, in den vorderen Reihen des Großen Hauses, wo sie Generalintendant Dr. Ulrich Peters herzlich willkommen hieß.

Freitag, 24.08.2012, 06:08 Uhr

Sparkonzepte am Theater : Generalintendant Ulrich Peters zwischen Fröhlichkeit und Sorge
Generalintendant Dr. Ulrich Peters begrüßte gestern im Großen Haus des Theaters Münster altgediente und neue Mitarbeiter. Die Vorfreude auf die Saison wird durch neue kommunale Spardiskussionen getrübt. Foto: Jürgen Peperhowe

Ein tolles Team junger Leute, von Brasilien bis Russland, von Deutschland bis Italien, wartet sehnsüchtig darauf, kreatives Theater für Münster machen zu dürfen. Dennoch hing ein Wermutstropfen über diesem zauberhaften Anfangstag. Die Verwaltung der Stadt Münster bastelt schon wieder an Sparkonzepten , und Ulrich Peters nutzte den internen Saisonauftakt deshalb zu einem flammenden Plädoyer für das Theater.

Auf den Gängen des Hauses, wo bereits Teile des neuen wohlig-weichen Teppichs auf den Treppen zu erfühlen sind, kursieren derweil die Gerüchte. Der Intendant habe sich bereits wieder wegbeworben, in Darmstadt, Wiesbaden und Mainz stünden Staatstheater-Posten zur Besetzung an. „Komisch, die Gerüchte gab‘s am Gärtnerplatztheater in München auch immer“, flachst Peters im Gespräch mit unserer Zeitung. Und er dementiert die Gerüchte rundheraus. Er habe sich doch nicht gerade erst in Münster häuslich niedergelassen, um die Stadt schon wieder zu verlassen.

Aber eines steht für ihn fest, und es klingt wie eine leise Drohung: „Ich habe hier einen Vertrag für ein Fünf-Sparten-Haus unterschrieben.“ Mit anderen Worten: Für ein abgespecktes, um Sparten gekürztes Theater stehe er nicht zur Verfügung. Stadtverwaltung und Kommunalpolitik basteln derweil an Sparplänen, die noch nie derart massiv vorgebracht worden seien, meint die Verwaltungsdirektorin des Theaters, Rita Feldmann . Bei einer zehnprozentigen Sparvorgabe müssten 1,9 Millionen Euro erzielt werden.

Dies bedeute letztlich, Schauspiel und Tanztheater zu streichen. Der Reihe nach bittet Peters seine neuen Mitarbeiter auf die Bühne und stellt sie sowie ihren Werdegang kurz vor. Spürbar ist: Die bunte, fröhliche Truppe aus hoch qualifizierten Sängern, Dramaturgen und Verwaltungsmitarbeitern will neues Leben auf die Bühne bringen, und zwar so, dass das Theater wieder Stadtgespräch ist.

„Wir machen für Münster und das Umland Theater. Wir wollen mitten in der Stadt stehen und uns unverzichtbar machen“, gibt Peters die Richtung vor und freut sich, nach Jahren des Musiktheaters in München nun wieder ein Mehrspartenhaus zu führen. „Wir stehen im Dienst der Kunst und im Dienst des Zuschauers“, ergänzt der neue Generalintendant, der die Mitarbeiter ermuntert, ihn einfach mit „Chef“ anzusprechen und bei Problemen auch den kurzen Dienstweg zu suchen.

Die „Förderung von Kultur ist die Förderung eines öffentlichen Guts“, schreibt Peters der Kommunalpolitik hinter die Ohren. „Wir sind ein kollektives Gedächtnis der Gesellschaft.“ Gerade jetzt verspürt das Theater Münster Rückenwind. „Die Abo-Zahlen entwickeln sich positiv und zeigen, dass die Menschen neugierig auf uns sind“, macht Peters seinen Mitarbeitern und dem Publikum Vorfreude auf die neue Saison. Beim Theaterfest am 1. September dürfen die Kulturfans zeigen, wie wertvoll das Theater für die Stadt ist. Und natürlich bei den vielen Aufführungen des überaus verheißungsvollen Saisonprogramms.  | www.theater-muenster.com

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