„Wilsberg“ Leonard Lansink im Interview
Der Promi-Kellner über die Angst vor Krebs und rüden Fahrradfahrern

In der TV-Öffentlichkeit verkörpert er ein Stück Münster: Leonard Lansink ist „Wils­-berg“ und das seit 15 Jahren. Für die Krebsberatungsstelle Münster, deren Schirmherr er ist, streift er seit 2002 einmal im Jahr die Kellner-Schürze über und sammelt mit Hilfe prominenter Kollegen Geld für den guten Zweck. Am Sonntag (2. September, Aaseeterrassen) kellnert sogar ein amtierender Minister mit

Freitag, 31.08.2012, 06:08 Uhr

„Wilsberg“ Leonard Lansink im Interview : Der Promi-Kellner über die Angst vor Krebs und rüden Fahrradfahrern
Leonard Lansink Foto: Oliver Werner

Das Promi-Kellnern feiert Jubiläum...  

Lansink : ...ja, darauf freue ich mich sehr. Die Jubiläumsausgabe wird gut, vielleicht sogar noch besser als ihre Vorgängerinnen. Allerdings ist das ein bisschen vom Wetter abhängig.

Die Besetzungsliste ist nicht von schlechten Eltern. Mit Daniel Bahr macht sogar ein echter Minister mit. Wie ist es um die Kellner-Künste der Promis bestellt?

Lansink: Viele sind ja schon länger dabei. Da merkt man, dass wir schon ein bisschen geübt haben. Wir werden eingespielter.

Was heißt hier „wir“? Sie selbst sehe ich immer nur beim Fassanstechen...

Lansink (lacht): Ich muss so viele Autogramme schreiben. Dann bin ich schon handlahm und komme nicht so richtig zum Kellnern.

Der Erlös kommt der Krebsberatungsstelle zugute. Wie wichtig ist das Geld für deren Arbeit?

Lansink: Die Beratungsstelle kann mit diesem Geld Dinge tun, die sie sich sonst nicht leisten könnte. Ein erwünschter Nebeneffekt ist natürlich die Werbewirkung - es soll noch bekannter werden, dass es diese Institution gibt.

Hat sich Ihr Umgang mit dem Thema Krebs geändert, seitdem Sie selbst erkrankt waren? (Anmerkung der Red.: Lansink litt in den 90er Jahren unter Lymphdrüsenkrebs)

Lansink: Es ist eine ferne Krankheit, bis es einen selbst oder mal jemanden aus dem nahen Umfeld trifft. Mein Umgang damit war aber vorher nicht anders als während oder nach der Erkrankung. Allerdings habe ich damals keine Beratung in Anspruch genommen, das würde ich jetzt vielleicht anders machen.

Wie groß ist Ihre Angst, dass der Krebs wieder auftritt?

Lansink: Die ist nicht groß. Es gibt halt eine Wahrscheinlichkeit des Wiederauftretens, und mit der muss man leben. Das ist wie in Münster von einem Fahrradfahrer umgefahren zu werden. Ach nee, die Wahrscheinlichkeit ist höher (lacht).

Haben Sie bei bis zu vier Wilsberg-Folgen pro Jahr eigentlich mal die Nase voll von Münster oder dem Münsterland?

Lansink: Nee, wir sehen ja immer was Neues. Gestern waren wir irgendwo an einer Biogasanlage. Hatte ich zuvor noch nie gesehen und noch nie gerochen. Ist interessant. Man darf halt in der Nähe nicht so rauchen, aber auch das geht. Und was Münster betrifft: Die Stadt gefällt mir einfach, sie ist erstaunlich lebendig, und wir vermissen hier nichts, was man woanders finden könnte.

In einem Interview haben Sie mal gesagt, sie könnten sich auch eine Tatort-Hauptrolle vorstellen. Was wären Sie lieber: Boerne oder Thiel?

Lansink: Ich glaube, ich wäre eher der Thiel. Axel Prahls Rolle läge mir mehr, weil der ein bodenständiger, solider Arbeiter mit allen dazugehörigen Vorlieben ist, genau wie ich.

Aber Sie würden nicht ernsthaft tauschen wollen?

Lansink: Nein, überhaupt nicht. Wir sind auf Augenhöhe unterwegs, auch wenn die Tatort-Kollegen den günstigeren Sendetermin am Sonntagabend haben. Mit der Figur des „ Wilsberg “ bin ich sehr glücklich. Mir macht es Spaß, in einer so überschaubaren Welt wie Münster die Dinge durcheinander zu bringen.

Die Münster-Krimis stehen für viel Charme und gesunden Mutterwitz. Wie viel Arbeit macht es, lustig zu sein?

Lansink: Ob Humor funktioniert hat, ist im Nachhinein immer leicht zu kontrollieren. Ihn herzustellen, ist ungleich schwerer. Solche Dreharbeiten sind echte Arbeit. Gerade etwas komisch zu machen, was nicht von sich aus komisch ist, ist immer ein Balanceakt.

Gucken Sie sich Ihre Filme an, wenn sie fertig sind?

Lansink: Ich bin kein Fan meiner alten Filme. Ich sehe dann immer, dass ich so viele Dinge versäumt habe zu spielen. Ich bin also mehr ein Fehlergucker, ich seh‘ die verpassten Möglichkeiten.

Wozu schalten Sie bewusst den Fernseher ein?

Lansink: Den Wallander, der im ZDF lief, habe ich irre gern gesehen – mit dem alten Schweden, der so ein bisschen neben der Kappe ist. Gute Figur! Beim „Tatort“ suche ich mir das, was mir gefällt: Die Kölner Kollegen gucke ich gerne, die Münsteraner Kollegen auch. Und Mehmet Kurtulus (Hamburg) habe ick jerne gesehen, aber da war ick wohl einer der wenigen.

Sie „berlinern“ ja!

Lansink: Det ist Faulheit, glaube ich, die Unlust am deutlichen Sprechen.

Wo halten Sie sich in Münster am liebsten auf?

Lansink: Prinzipalmarkt im Sommer ist genial, Hafen ist genial, hier der Germania-Campus (Anmerkung der Red.: das Wilsberg-Team wohnt im Factory-Hotel) ist super gelungen. Da ist es schon ganz prima, auf dem Hintern zu sitzen, sich bedienen zu lassen und einfach den Münsteranern zuzugucken.

Wie viel Zeit für Freizeit bleibt Ihnen überhaupt?

Lansink: Viel Freizeit habe ich nicht - und wenn, dann sitze ich auch in Berlin gerne rum. In diesem Jahr haben wir vier Wilsbergs gedreht, und bis kurz davor habe ich mit Heinrich Schafmeister noch Theater gespielt. Jeden Tag woanders. Das ist dann ein bisschen wie Montage. Bald geht’s übrigens wieder auf Tour - ich spiele mit Heinrich dieses Altherren-Stück „Ein seltsames Paar“. Damit gastieren wir auch in Münster.

Ist es Lust oder Last, so sehr auf eine Rolle festgelegt zu sein?

Lansink: Das hat Riesenvorteile. Dank der Rolle habe ich eine gewisse Sicherheit, die nur wenige andere Schauspieler haben – vielleicht die Tatort-Kollegen, Dieter Pfaff oder Iris Berben. Alle anderen haben ein ängstlicheres Dasein.

Sie haben abgenommen...

Lansink: Ja, beim Theaterspielen. Zehn Kilo! Das war ganz praktisch, oder sagen wir „erwünschter Nebeneffekt“, wenn man in Orten spielt, wo nach der Vorstellung auch das Bier rar wird. Es gibt dann einfach keins mehr. Und die Hotels sind da auch solche ohne Minibar. Dann ist man zwangsläufig nach drei Monaten erleichtert. Außerdem kommt die regelmäßige Bewegung auf der Bühne hinzu.

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