Zum 150. Geburtstag von Claude Debussy
Der Erfinder der Moderne

Münster -

Impressionismus – das war Ende des 19. Jahrhunderts ein abschätziger Begriff, der eine konturlose, verschwommene Malerei bezeichnen sollte. Claude Debussy gilt bis heute als der impressionistische Komponist schlechthin. Kein Wunder, dass ihm dieses Etikett nicht gefiel.

Dienstag, 21.08.2012, 19:08 Uhr

Zum 150. Geburtstag von Claude Debussy : Der Erfinder der Moderne
Mit „Pelléas et Mélisande“ (hier in einer Inszenierung des Theaters Osnabrück) schuf Claude Debussy (kl. Bild) den Typus einer neuen französischen Oper. Foto: Uwe Lewandowski

Debussy ist wie Mozart: Alle mögen ihn. Die Klassik-Naschkatzen berauschen sich an seinem unwirklich schönen Orchesterklang. Die Klavierschüler erfreuen sich am „Little Negro“ und an „Children’s Corner“. Die Kenner delektieren sich an der radikalen Moderne seiner Etudes. Und für einen Dirigenten wie Will Humburg war die halbszenische Aufführung von Debussys einziger Oper „Pelléas et Mélisande“ der künstlerische Höhepunkt seiner zwölfährigen Tätigkeit als Generalmusikdirektor in Münster . Trotz Wagner.

Kurz: Kein Komponist seiner schwierigen Generation an der Schwelle zur Moderne ist so beliebt. Debussy hat vielleicht als erster den Klang emanzipiert, hat Formen entwickelt, die aus sich selbst heraus entstehen, hat mit exotischen Harmonien und Akkorden, sogar mit frühen Jazz-Rhythmen experimentiert. Die Zeitgenossen fühlten sich an die Malerei von Monet und Degas erinnert – und verpassten Debussys Musik kurzerhand das Etikett „ Impressionismus “. Und da klebt es, bombenfest, bis heute. Debussy selbst konnte es nicht leiden.

Es war dem kleinen Claude Achille nicht in die Wiege gelegt, „Everybodys Darling“ zu sein, als er am 22. August 1862, vor 150 Jahren, im westlichen Pariser Vorort Saint-Germain-en-Laye geboren wurde. Ein Kind einfacher Eltern, an Schulbesuch ist nicht zu denken. Allerdings hat er das Glück, stets die richtigen Leute zu treffen, die sein überragendes Talent erkennen und fördern.

Seine Klavierlehrerin, eine Chopin-Schülerin, bringt ihn schließlich als Elfjährigen am Pariser Konservatorium unter. Doch ein Wunderkind will der störrische Einzelgänger nicht aus sich machen lassen. Er bummelt, provoziert, legt sich mit seinen Lehrern an und schafft mit Müh und Not die Zulassung zur Kompositionsklasse. Die Zeit, die er als Stipendiat der Villa Medici in Rom verbringt, betrachtet er zeitlebens als verloren. Zurück in Paris , schlägt er sich irgendwie durch. Puccinis ungefähr damals entstandene Oper „La Bohème“ porträtiert Typen wie ihn.

Er ist über 30 Jahre alt, als sein erstes Meisterwerk 1894 Furore macht. Das „Prélude à l‘après-midi d‘un faune“, das „Vorspiel zum Nachmittag eines Faun“, ein kurzes, sphärisch-zartes Orchesterstück von nie dagewesener Farbigkeit. Damit beginnt, wie der französische Dirigent und Komponist Pierre Boulez meint, die musikalische Moderne. In den folgenden Jahren wird Debussy mit seinen Orchesterwerken, Liedern und Klavierstücken zum führenden französischen Komponisten. Die letzten neun Jahre seines Lebens steht er unter dem Schatten seiner Krankheit: Debussy stirbt am 25. März 1918 an Darmkrebs.

Wer die Bekanntschaft mit Debussy Musik schließen oder vertiefen möchte, kann sich an eine preiswerte CD-Ausgabe halten, die von der Deutschen Grammophon zum 150. Geburtstag herausgegeben wurde. Sie enthält annähernd das Gesamtwerk des Komponisten in relativ neuen, in jedem Fall aber maßstäblichen Aufnahmen.

Drei CD sind dem Orchesterwerk gewidmet; es sind vor allem die 1991 bis 1993 in Cleveland aufgezeichneten Interpretationen von Pierre Boulez, die in ihrer analytisch-klaren Art unübertroffen sind. Auf ganzen sechs CD ist das Klavierwerk vertreten. Krystian Zimermans einzigartige Préludes von 1991 sind das Flaggschiff der Sammlung, nicht weniger legendär sind die Images von Arturo Benedetti Michelangeli, 1971 aufgenommen. Über Mitsuko Uchidas etwas eigenwillige Etudes lässt sich sicher streiten – da lieferte Pierre-Laurent Aimard 2002 spannendere Deutungen ab. Die übrigen, auch vierhändigen Klavierwerke liegen von Zoltán Kocsis und Alfons und Aloys Kontarsky vor. Eine nette Zugabe ist „L’Isle joyeuse“, die sich Friedrich Gulda 1948 in London hat ablauschen lassen. Die Lieder liegen in Véronique Dietschys Interpretationen auf vier CD vor. Ein bisschen stiefmütterlich werden die Chorwerke, namentlich die Kantaten behandelt. Dafür gibt es immerhin „Pelléas et Mélisande“ in Abbados Wiener Einspielung von 1991.

Eine hübsch gestaltete, sogar mit einem ansprechenden Debussy-Essay ausgestattete Kassette. Der geringe Preis erklärt das Fehlen von Liedertexten, Libretti und detaillierten Werkeinführungen.

„The Debussy Collection“: Orchesterwerke, Klavierwerke, Kammermusik, Bühnenwerke, Lieder. 18 CD, Deutsche Grammophon.

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