Nora Tschirner und Christian Ulmen bilden neues Thüringer Duo
„Tatort“ kaum zu stoppen

Berlin (dpa) - Ein Blick auf die Landkarte verrät: Ganz Deutschland ist kriminell unterwandert. Ganz Deutschland? Nein, es klaffen noch kleine Lücken, denn der ARD-„Tatort“ hat sein ungebremstes Wachstum noch nicht in alle Regionen fortgesetzt. Im Emsland könnte durchaus ein Ermittlerteam ein paar Leichen bergen, in dem Dreieck zwischen Paderborn, Kassel und Halle (Saale) gäbe es bestimmt einen Grund zu morden. Vielleicht noch im Südosten in der Zweitligastadt Aue oder in Cottbus? Seit Mittwoch steht zumindest fest: Mit Weimar hat jetzt auch das Bundesland Thüringen seinen zweiten „Tatort“-Schauplatz, wie der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) bekanntgab.

Donnerstag, 25.10.2012, 10:10 Uhr

Nora Tschirner und Christian Ulmen bilden neues Thüringer Duo : „Tatort“ kaum zu stoppen
Nora Tschirner und Christian Ulmen: Bald im «Tatort»-Weihnachtskrimi aus Weimar. Foto: dpa

Dabei hat das erste Kommissarteam in Erfurt noch gar nicht seinen Dienst angetreten. Und der Bayerische Rundfunk hat gerade erst vor kurzem bekanntgegeben, neben der Landeshauptstadt München noch ein Team in Franken zu installieren, ob Unter- oder Oberfranken - was dort ein wichtiger Unterschied ist - steht noch nicht fest. Ganz zu schweigen vom NDR, der noch zwei Neue in petto hat.

Durchatmen und sortieren ist für „ Tatort “-Fans angesagt. Auffällig an der ARD-Strategie ist, zunehmend auch auf Prominenz bei seinen Ermittlern zu setzen. Til Schweiger (48) geht auf Gangsterjagd für den Norddeutschen Rundfunk, Ulrich Tukur (55) für den Hessischen Rundfunk. Der Glamour soll Quote bringen. Und jetzt Christian Ulmen (37) und Nora Tschirner (31), prominentes filmisches Jungduo für den MDR in Weimar - immerhin ist der erste Thüringer „Tatort“ aus Erfurt mit relativ unbekannten Nachwuchsdarstellern besetzt.Das Kalkül der ARD : Große Namen sollen auch verstärkt das jüngere Publikum aktivieren, das die öffentlich-rechtlichen Sender immer weniger einschaltet.

Mit dem „Tatort“ erreicht die ARD zunehmend wieder Schichten von unter 50 Jahren, wie das vergangene Wochenende beweist: Beim Publikum zwischen 14 und 49 Jahren war der Stuttgarter „Tatort“ mit 20,2 Prozent Marktanteil sogar Sieger zur Hauptabendzeit vor RTL und ProSieben.Kaum ein Prominenter, so wird in der Branche gern gescherzt, der sich nicht rechtzeitig vor dem Ruf zum „Tatort“ auf die Bäume retten konnte. Man müsse sich fast schon schämen, wenn man nicht eines Tages von einem Fernsehdirektor angerufen würde, der einen prominent am Sonntagabend platzieren wolle.

Tatort Grafik

Prominenter Nachwuchs ist daher heiß gefragt: Was ist eigentlich mit schillernden Talenten wie Matthias Schweighöfer, Martina Hill oder Annette Frier mit Einsatzgebieten in Höxter, Lingen oder Westerland?Für Schauspieler ist der Ritterschlag „Tatort“ ein zweischneidiges Schwert: Zum einen trägt der Dauereinsatz bestens zur Rente bei - bei zwei Aufträgen im Jahr ist ein ordentlich dotierter Schauspieler mit mindestens 80 000 Euro Gage dabei und hätte sogar noch Zeit für ein bisschen Theater oder ein, zwei weitere Filme.

Auf der anderen Seite ergibt sich das Problem, dass auch der Abstecher zu einer ZDF-Komödie die Assoziation zur Folge hat: „Das ist doch Kommissar XY aus dem "Tatort"!“ Das ist die Schublade, die alle Schauspieler vorgeben zu hassen und in die sie sich dann doch hineinschieben lassen.Doch nicht alle Prominente folgen dem Lockruf der Versorgungskasse. Christoph Maria Herbst (46) zum Beispiel sagt, er habe einst Kommissar Haferkamp (Hans-Jörg Felmy) geliebt. „Heute hat der „Tatort“ einen Blähbauch, ist beliebig und die Dialoge sind vorhersehbar.“ Er selber habe auf eine „Tatort“-Rolle keine Lust, bekannte Herbst im Gespräch mit der Illustrierten „Bunte“. „Nur um den zwanzigsten verkappt schwulen Kommissar zu spielen, der zu Hause den Spinat aufwärmen muss, bevor seine reaktionäre Scheinfreundin ihm die Hölle heißmacht?“. Da sei es ihm lieber, neue Projekte zu entwickeln. Das sagte Herbst, bevor sein zweiter Fall als ProSieben-Kommissar Kreutzer am vergangenen Samstag im Quoten-Nirwana verschwand.

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