Kultur
F.K. Waechter - weit mehr als nur ein Cartoonist

Hannover/Frankfurt (dpa) - Es war die Zeit der Rebellion: Berühmt wurde F.K. Waechter im Jahr 1970 mit seinem «Anti-Struwwelpeter», einem Gegenstück zum angsteinflößenden Kinderbuch aus dem 19. Jahrhundert.

Freitag, 02.11.2012, 12:11 Uhr

Bei Waechter wehren sich die Kinder erfolgreich gegen drakonische Strafen, die gewalttätigen Eltern bekommen ihr Fett weg. Unter Anhängern der 68er-Bewegung war und ist der «Anti-Struwwelpeter» Kult. Das Werk des 2005 gestorbenen Zeichners und Autors, der am 3. November 75 Jahre alt geworden wäre, hat aber noch weit mehr Facetten.

Der gebürtige Danziger Friedrich Karl Waechter ist ein Mitbegründer der Neuen Frankfurter Schule und gilt als einer der wichtigsten Satirekünstler der Nachkriegszeit. Das Museum Wilhelm Busch in Hannover besitzt den rund 4000 Blätter umfassenden Nachlass - darunter Cartoons für die Satirezeitschriften «Pardon» und «Titanic» sowie Originalzeichnungen berühmter Bücher wie «Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein» (1978), «Männer auf verlorenem Posten» (1983) oder «Die Schöpfung» (2002).

Der große, schlanke Mann mit der Lockenmähne wollte sich nie auf die Rolle des Cartoonisten und Witzemacher beschränken lassen - er schrieb erfolgreiche Theaterstücke, nahm CDs auf und schuf poetische Kinderbücher. «Ich hatte immer das Gefühl, als schüttelte er alles einfach aus dem Ärmel», erinnert sich sein jüngster Sohn Philip Waechter (44), mittlerweile selbst als Kinderbuchautor erfolgreich. «Ich habe ihn als sehr glücklichen, fröhlichen Menschen erlebt», sagt der Sohn, der wie sein Vater in Frankfurt arbeitet. «Wir Kinder durften relativ viel, aber es gab auch klare Regeln.»

F.K . Waechters Werke sind im Caricatura Museum Frankfurt präsent, das regelmäßig Blätter aus Hannover als Leihgaben bekommt. In der kürzlich eröffneten Jubiläumsausstellung des Museums Wilhelm Busch steht Waechter in der Reihe großer Ahnen. «Wie Wilhelm Busch inszeniert er seine Geschichten wie ein Papiertheater», schwärmt die stellvertretende Museumsdirektorin Ruth Brunngraber-Malottke.

In den Jahren vor seinem Tod war der Universalkünstler und Fußball-Liebhaber äußerst produktiv. «Er war ein von Ideen und vom Arbeiten angetriebener Mensch», sagt Witwe Cornelia Volhard-Waechter. Sein letztes veröffentlichtes Buch «Der Vollmond» habe er im Krankenhaus entworfen. «Das aktuelle Geschehen war nicht so seins. In den späteren Büchern ging es meist um Leben und Tod.» In Hannover wird nun der Nachlass wissenschaftlich aufgearbeitet, dabei könnte unter anderem ein Materialbuch zur unvollendet gebliebenen düsteren Bildergeschichte «Der Höllenhund» entstehen.

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