Kultur
Marjane Satrapis «Huhn mit Pflaumen» auf DVD

Berlin (dpa) - Im Streit zerbricht Faringuisse die Violine ihres Mannes - keine Stradivari kann Nasser-Ali das Instrument ersetzen, das er einst aus den Händen seines Meisters erhielt. Nasser-Ali verliert die Lust am Leben und beschließt zu sterben, nicht ohne einen Blick auf sein Leben zu werfen.

Mittwoch, 21.11.2012, 17:11 Uhr

« Huhn mit Pflaumen » ist ein modernes, tragikomisches Märchen im Stil von «Amélie», aber stärker noch komponiert und in weiten Teilen surreal animiert. Der Film entführt in das Teheran der 1950er Jahre: Der junge Nasser-Ali studiert bei seinem Meister, dem größten lebenden Geiger Irans , Violine.

Mit des Schülers Technik ist dieser zufrieden, doch nicht mit dessen Musik. Das ändert sich erst als Nasser-Ali (Mathieu Amalric, Bonds Gegenspieler in «Ein Quantum Trost») vergebens um die Hand der schönen Irâne anhält. Als Künstler sind sein Stand und Einkommen nicht angemessen, die Liebe der beiden hat keine Chance im Leben.

Doch die Ablehnung durch den Vater der schönen Irâne ist der Grundstein für seine Karriere: «Deine verlorene Liebe wird in jeder Note erklingen, die du spielst» prophezeit der Meister, denn «das Leben ist wie ein Windhauch, wie ein großer Seufzer und diesen Seufzer musst du in Dir aufnehmen». Nasser-Ali heiratet Faringuisse und wird nun selbst zum Virtuosen, nur glücklich, das wird er nicht mehr.

2007 legten Marjane Satrapi und Vincent Paronnaud mit dem für Oscar und Golden Globe nominierten «Persepolis» einen vielbeachteten Erfolg vor. Der Animationsfilm erzählt von der Jugend im Iran und trug autobiografische Züge: Satrapi wuchs im Iran auf, kam 1984 mit 14 Jahren nach Wien, kehrte zurück in den Iran um dann 1994 endgültig nach Frankreich zu emigrieren.

Die Kritik warf «Huhn mit Pflaumen» vor, nicht so politisch wie «Persepolis» zu sein: Der Film mit seinen herrlichen Grotesken, der mit viel schwarzem Humor gezeichnete Einsatz von Farben, Schnitt und Licht zeigt ein Teheran, das als Stadt kulissenhaft wie aus einer vergessenen Zeit im Hintergrund bleibt, indem die Kunst aber ganz selbstverständlicher Teil des Alltags ist. Satrapi erzählt von der Freiheit der Kunst, die aus dem Leben entsteht und zeigt damit eine iranische Gesellschaft weit weg von jeglicher moralinsauren Bevormundung. Oder wie sagt der Bruder des Musikers: «Es gibt nichts Schlimmeres als sich dem Leben zu verweigern!»

Mit Isabella Rossellini in der Rolle als Mutter oder Edouard Baer («Asterix & Obelix - im Auftrag ihrer Majestät») als verschmitzter Todesengel Azraël sind auch die Nebenrollen prominent besetzt. Auf der DVD finden sich unveröffentlichte Szenen, kleinere Animationen, ein Making Of, vor allem aber ein Monolog der Regisseurin selbst: Sie erzählt darin von einem iranischen Märchen, das ihr einst den Anstoß gab für diese augenzwinkernde Parabel über das Leben.

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