Margarethe von Trotta stellt „Hannah Arendt“ in Münster vor
„Ihr Denken ist aktuell“

Münster -

Den Mantel über dem Arm, eine freundliche Begrüßung auf den Lippen, so kommt sie herein: Regisseurin Margarethe von Trotta ist in Münsters Schlosstheater zu Gast und stellt ihren neuen Film „Hannah Arendt“ vor. Nach einem frostigen Spaziergang durch die Altstadt bestellt sich von Trotta als Erstes einen Kaffee: „Man hat mir gesagt, hier gibt es den besten Cappuccino nördlich der Alpen. Davon hätte ich gerne einen“, sagt sie schmunzelnd. Schön sei es hier, die Altstadt und die Klinkerbauten eine schöne Kulisse.

Sonntag, 13.01.2013, 17:01 Uhr

Margarethe von Trotta nimmt sich im Schlosstheater Zeit für ihre Fans.
Margarethe von Trotta nimmt sich im Schlosstheater Zeit für ihre Fans. Foto: CDE

Münster ist ein Stopp auf ihrer bundesweiten Kinotour zum Filmstart von „ Hannah Arendt “. Das Plakat hängt hinter ihr an der Wand. Es zeigt die jüdische Philosophin und Publizistin Hannah Arendt, gespielt von Barbara Sukowa. Von Trotta ist die Erste, die dieser starken Frau einen Spielfilm widmet: „Hannah Arendt war eine der originellsten Denkerinnen des 20. Jahrhunderts, ihre Denkhaltung ist nach wie vor uneingeschränkt aktuell“, sagt die Regisseurin.

Es ist nicht das erste filmische Frauenporträt aus der Feder Margarethe vom Trottas. Was fasziniert die Regisseurin an starken Frauen? „Ich finde Frauen einfach interessanter“, antwortet von Trotta mit einem Lachen. Sie sei früher Feministin gewesen und sei es vielleicht immer noch, stellvertretend gebe sie diesen Frauen daher gern eine Stimme.

Der Spielfilm beleuchtet die Jahre 1960 bis 64. Hannah Arendt arbeitet als Reporterin für „The New Yorker“. Sie bekommt den Auftrag, in Jerusalem an dem Prozess gegen SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann teilzunehmen. Arendt versucht, den Charakter des Nazis zu verstehen. Aus ihren akribischen Notizen entsteht ihr Buch „Eichmann in Jerusalem – Ein Bericht von der Banalität des Bösen“, das Eichmann nicht als Monster darstellt, sondern als „Hanswurst“, der seine Befehle gewissenhaft ausführen möchte.

„Für das Buch wurde Hannah Arendt stark angefeindet“, sagt von Trotta, „dabei war sie eine Frau, die sich noch für eigenes Denken und die eigene Meinung einsetzte und sich nicht einschüchtern ließ.“

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