Weniger Geld, weniger Action
Produzenten beschweren sich: Spardruck beeinflusst den „Tatort“

Münster -

Weniger Geld, weniger Drehtage, weniger Stunts: Der Kostendruck bei den Öffentlich-Rechtlichen hat laut einer Untersuchung spürbare Auswirkungen auf den ARD-Klassiker „Tatort“. Wie die „Produzentenstudie 2012“ beschreibt, standen vor zehn Jahren für eine Folge der Krimireihe im Schnitt noch 1,43 Millionen Euro bereit, heute liegt das Budget bei rund 1,27 Millionen Euro.

Sonntag, 10.02.2013, 15:02 Uhr

Weniger Geld, weniger Action  : Produzenten beschweren sich: Spardruck beeinflusst den „Tatort“
Die Schauspieler Jan Josef Liefers (l) als Rechtsmediziener Prof. Karl-Friedrich Boerne und Axel Prahl als Kommissar Frank Thiel in Münster bei Dreharbeiten. Foto: dpa

Zwar ließen sich einige Kosten durch Digitaltechnik reduzieren. Auch aufwendige Stunt-Szenen seien seltener geworden, eine Folge werde nicht mehr in 28, sondern nur noch in 22 Tagen gedreht. „Die Geschichten werden immer mehr zu Kammerspielen, weil an allen Ecken und Enden Geld fehlt“, zitiert die Studie langjährige „ Tatort “-Autoren.

Finanzieller Druck

Wegen schrumpfender Etats und sinkender Preise pro Sendeminute stehen die deutschen TV- und Filmproduzenten unter erheblichem finanziellen Druck, heißt es weiter in der Untersuchung im Auftrag der Landesmedienanstalten und der Filmförderungsanstalt (FFA). Mehr als die Hälfte der 1700 Produzenten bewegten sich demnach im Bereich „kritischer“ Gewinnmargen von unter fünf Prozent.

Bessere Lage im Kino

Besonders groß sei die Abhängigkeit der TV-Produzenten von den öffentlich-rechtlichen Sendern: Fast zwei Drittel (62 Prozent) des Umsatzvolumens stammten von ARD und ZDF , wie einer der Autoren der Studie, Oliver Castendyk (Hamburg Media School), sagte. Im Vergleich zu den Personalkosten hätten die Sender überproportional am Programm gespart, sagte Castendyk, der zusammen mit dem Medienberater Klaus Goldhammer den Bericht verfasste.

Besser als im Fernsehen ist die Lage im Kino. Bei Filmen werden im Durchschnitt 40 Prozent der Produktionskosten von der Filmförderung gedeckt. Aber auch hier ist das Engagement der Sender geringer geworden. In Frankreich tragen die Sender stärker zur Finanzierung von Kinofilmen bei. Der Erfolg könnte den Franzosen recht geben: Der Marktanteil heimischer Produktionen sei doppelt so hoch wie in Deutschland.

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