Kultur
Apokalypse blieb bei Mannheimer «Götterdämmerung» aus

Mannheim (dpa) - Provokation für Wagnerianer. Mit einem Clown-Siegfried hat Regisseur Achim Freyer am Freitagabend das eher konservative Publikum im Mannheimer Nationaltheater gegen sich aufgebracht.

Samstag, 23.03.2013, 12:03 Uhr

Besucher, die dem Motto frönen, dass das Alte und Bewährte nicht dem Zeitgeist geopfert werden darf, fühlten sich bestätigt. Mit der « Götterdämmerung » endete zugleich der seit Jahren entwickelte neue Mannheimer Ring-Zyklus von Richard Wagner (1813-1883). Er wird in den kommenden Monaten mehrfach an vier Tagen hintereinander gespielt.

Der Held Siegfried mit dem durch Grippe geschwächten Tenor Jürgen Müller wurde während der 330 Minuten dauernden Aufführung auf einen Clown reduziert. Dieser fällt einer städtischen Spaßgesellschaft zum Opfer, angeführt von dem als zwergenhaften Zirkusdirektor verkleideten Hagen (Christoph Stephinger). Für diese Idee wurde der 78-jährige Freyer heftig ausgebuht. Frenetischen Applaus gab es aber für das Orchester unter der Leitung von Dan Ettinger.

Die kapitalismuskritische Inszenierung mit einigen Schwächen schaffte es dennoch, ein Zeichen gegen das verstaubte Germanentum in vielen Wagner-Aufführungen zu setzen. Das wurde durch Symbole im sich permanent drehenden Bühnenbild unterstützt, das Freyer selbst entworfen hatte. Spiegelwände und Lichtelemente sorgten für ein ständiges Blitzen. Die permanente Einblendung von Werbeschnipseln moderner Elektromarktketten oder Fastfood-Restaurants blieb dagegen unverständlich.

Neben der sangesstarken Brünnhilde (Eva Johansson) waren nur Hagen und Siegfried als Individuen zu erkennen. Die anderen, sich meist langsam im modernen Weltentanz bewegenden Protagonisten, traten in gleichförmigen Puppenkostümen mit Masken auf. Problematisch war nach etwa fünf Stunden die Jagdszene mit der Ermordung Siegfrieds vor dem Finale, bei der Freyer die Ideen ausgingen.

Auch der penetrante Einsatz von leuchtenden «Star-Wars-Kinderschwertern» nervte mit der Zeit. Die erwartete Apokalypse mit der brennenden Götter-Burg Walhall unterblieb dagegen. Stattdessen löste sich das Bühnenfestspiel in weißem Licht auf, was offenbar die reinigende Wirkung von Untergängen im Weltenlauf symbolisieren sollte. Eine durchdachte Auseinandersetzung mit der modernen Welt der Globalisierung und Kommunikation fehlte.

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