Das Quoten- und Rekorddenken beim „Tatort“ treibt seltsame Blüten
Ballermann gegen Blödelteam

Das Wettrennen um die Rekordquote war schon skurril: Nachdem Filmstar Til Schweiger als neuer „Tatort“-Ermittler mehr Zuschauer vor den Bildschirm gelockt hatte als die gegenwärtigen Konkurrenten, verabredeten Fans der Rekordhalter aus Münster, sie beim Nachlegen zu unterstützen. Das gelang, Thiel und Boerne ermittelten und kalauerten sich wieder an die Quotenspitze – nur ein alter Stoever-Krimi hatte größeres Publikum. Dumm nur, dass viele Zuschauer den Münster-Film eher fade fanden.

Mittwoch, 10.04.2013, 18:04 Uhr

Das Quoten- und Rekorddenken beim „Tatort“ treibt seltsame Blüten : Ballermann gegen Blödelteam
Foto: ARD

In Hamburg wird geballert, in Münster geblödelt – das Bestreben der Krimi-Macher, sich durch gestalterische Extreme von den anderen abzusetzen, treibt manchmal kuriose Blüten. Und ist dabei nicht immer von Erfolg gekrönt: So ging es auch beim Schweiger-Vorgänger Mehmet Kurtulus etwas drastischer zu als in vielen anderen Sonntags-Krimis. Was dem Darsteller und seinen Fällen aber nicht annähernd die Popularität einbrachte, die Til Schweiger für sich nutzbar machen konnte.

Das Blödeln andererseits hat zwar „ Tatort “-Tradition, wurde aber erst durch den münsterischen Gerichtsmediziner Boerne (Jan Josef Liefers) auf die Spitze getrieben. Erstaunlich beispielsweise, wie es die Ermittler aus München schaffen, das passende Maß flotter Sprüche in die Krimi-Spannung zu integrieren. Was dagegen in Münster als nette Schrulle begann, geht auch Stammzuschauer zusehends auf die Nerven. Ähnlich war es ja schon mit den Gesangseinlagen von Manfred Krug und Charles Brauer, ähnlich ist es mit dem Nörgel-Ton Martin Wuttkes in Leipzig.

Versuche, beim „Tatort“ möglichst skurrile Figuren einzuführen, gab es zuletzt in Hessen: Ulrich Tukur und der Hirntumor seines Ermittlers sind starker Tobak, machen sich aber zum Glück rar. Das gegensätzliche Duo aus Joachim Król und Nina Kunzendorf andererseits ist schon wieder am Ende – weil die Hauptdarstellerin sich nicht auf die „Tussi“-Klischees ihrer Figur festlegen lassen wollte. Eine Entscheidung, die Respekt verdient.

Der jüngste Klamauk-Vorstoß beim „Tatort“ war bei kritischen Zuschauern nicht gerade von Erfolg gekrönt. Gewiss konnte Devid Striesows zweiter Einsatz den Tagesrekord vor den Konkurrenzprogrammen holen und damit das Quoten-Argument für sich verbuchen. Aber bei vielen Kritikern und in den sozialen Netzwerken fiel der Film durch. „Flach wie Cobra 11, Police-Academy-Klamauk und spannend wie Großstadtrevier“, lästerte ein Nutzer laut Deutscher Presseagentur. Auf der Webseite „tatort-fundus.de“ rangiert die Folge „Eine Handvoll Paradies“ auf der „Tatort“-Rangliste nach Qualität auf Platz 881 – von 882 bewerteten Episoden.

Noch schlechter schneidet nur noch eine alte Folge mit Winfried Glatzeder ab. Kein Wunder, dass jetzt Gerüchte aufkamen, Désirée Nosbusch solle dem Saar-„Tatort“ als Pendant zu Striesow mehr Attraktivität verleihen. Doch das Dementi kam prompt: Für mehr als Episodenrollen sei Nosbusch, wie schon beim „Tatort“ mit ihrem damaligen Lebensgefährten Kurtulus, nicht zu haben. Vielleicht sollten sich die „Tatort“-Produzenten allmählich doch mal wieder, statt auf skurrile Figuren zu schauen, auf spannende Krimistoffe besinnen.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1597055?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F201%2F1739836%2F1739837%2F
Umstrittenes Einkaufszentrum soll weitergebaut werden
Die Arbeiten am Hafencenter ruhen. Über Veränderungen am Projekt, die Grundpfeiler für einen neuen Bebauungsplan sind, wurde jetzt Einigung erzielt.
Nachrichten-Ticker