Kultur
Comic-Pionier Manfred Schmidt vor 100 Jahren geboren

Hannover (dpa) - Seine berühmte Figur Nick Knatterton war für Manfred Schmidt Fluch und Segen zugleich. «Zehn Jahre meines Lebens hat mir dieser Kerl zur Hölle gemacht», sagte der Zeichner über den von ihm erfundenen Meisterdetektiv im Karoanzug.

Montag, 15.04.2013, 10:04 Uhr

Eigentlich hatte Schmidt nur US-amerikanische Comics parodieren wollen, doch dann wurde die Krimi-Serie in der Illustrierten «Quick» von 1950 an zum Publikumsrenner. Nick Knatterton trieb die Auflage in die Höhe und machte seinen Schöpfer Manfred Schmidt reich. Am 15. April wäre der im niedersächsischen Bad Harzburg geborene Zeichner 100 Jahre alt geworden.

«Nick Knatterton war unglaublich harte Arbeit für ihn, eigentlich hatte er einen Widerwillen gegen Comics», erzählt Schmidts Tochter Annette Riedhammer im dpa-Gespräch. Die wahre Leidenschaft des 1999 gestorbenen Künstlers waren seine Reisereportagen. «Es macht heute noch Spaß, sie zu lesen. Er hatte eine spitze Art, seine Landsleute zu betrachten.»

Schmidts zweite Liebe war der Film. In seinem Privathaus am Starnberger See richtete er ein Trickfilm-Studio ein, wo er gemeinsam mit seinem Freund und Nachbarn Loriot arbeitete. Der berühmte Humorist ging im Haus der Schmidts ein und aus. «Wenn Leute da waren, konnte er ungeheuer charmant und witzig sein», erinnert sich die in Nürnberg lebende Tochter an ihren Vater. «Für die Familie blieb nach dem Abschied der Gäste nicht viel davon übrig.»

Schmidt wurde 1913 als Sohn eines Papierfabrik-Erben im Harz geboren. Die Mutter verließ ihren Ehemann und zog mit den drei kleinen Kindern in ihre Heimatstadt Bremen. Schon mit 14 Jahren verkaufte der Junge seine Zeichnungen an die Lokalzeitung. Diese ersten Veröffentlichungen sowie seine Arbeiten für den Berliner Ullstein Verlag zeigt eine Ausstellung im Museum Wilhelm Busch in Hannover noch bis zum 21. April.

Die Schau würdigt den verschmitzten Zeichner als einen Pionier des deutschen Comics der Nachkriegszeit. «Was die Bildsprache und Situationskomik angeht, ist Nick Knatterton sehr modern», sagt der Kurator der Ausstellung, Kai Gurski. Amüsant in der Krimi-Serie sind die Seitenhiebe des erklärten Pazifisten auf die Spitzenpolitiker der jungen Bonner Republik wie Konrad Adenauer oder Franz Josef Strauß - etwa was die Wiederbewaffnung oder Atompolitik angeht. Obwohl er Jahrzehnte in Bayern lebte, bewahrte Schmidt seinen norddeutschen Akzent. Wegen seines augenzwinkernden Humors war er ein gern gesehener Gast in Fernsehshows der 50er und 60er Jahre. Im Gegensatz zu seinem Freund Loriot wurde es später ruhig um den Schöpfer von Nick Knatterton. Der Erfolg der Schau in Hannover zeigt allerdings, dass der Pfeife rauchende Meisterdetektiv als eine Art James Bond des Wirtschaftswunderlandes noch heute fasziniert.

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