Kultur
Hat das Volkstheater noch Zukunft?

Frankfurt/Main (dpa) - Am 25. Mai fällt im Frankfurter Volkstheater der letzte Vorhang. Nach 42 Jahren macht die von Liesel Christ («Mama Hesselbach») gegründete Mundartbühne dicht.

Mittwoch, 01.05.2013, 14:05 Uhr

Zwei Ensembles wollen die Lücke füllen. Sie stehen für zwei höchst unterschiedliche Auffassungen von Volkstheater - und sind damit exemplarisch für die Schwierigkeiten dieser Theaterform auch in anderen Städten.

Als Gisela Dahlem-Christ, die nach dem Tod der Mutter 1995 die Intendanz übernommen hatte, im vergangenen Jahr das Aus verkündete, nannte sie drei Gründe: der geplante Abriss der Spielstätte neben dem Goethehaus, finanzielle Probleme, kein geeigneter Nachfolger.

Dabei hatte einer an die Tür geklopft, der deutschlandweit Ansehen genießt: Michael Quast . Doch die Familie Christ und der Kabarettist fanden nicht zusammen. Quast gründete die «Fliegende Volksbühne», die seither an verschiedenen Orten im Rhein-Main-Gebiet gastiert. Im Stadtteil Alt-Sachsenhausen sollte Quast eine eigene Spielstätte bekommen. Aber dann setzte die Stadt bei Kulturinvestitionen den Rotstift an und kippte dabei auch die Pläne für Quasts «Paradieshof».

Nun darf die «Fliegende Volksbühne» zumindest zwischenlanden - ausgerechnet in der alten Spielstätte des Christ'schen Volkstheaters. Das finden nicht alle gut: 17 Mitarbeiter des Traditionshauses haben inzwischen den Verein «Volkstheater Hessen » gegründet. Ziel ist es, unter neuer Leitung das Erbe Liesel Christs am Leben zu erhalten. Die Mitglieder finden die Idee nicht so toll, «daheim nur noch zu Gast» zu sein und wollen den Saal bis zum endgültigen Abriss weiter nutzen.

Hinter dem kommunalpolitischen Hin und Her steht die Frage, wie Volkstheater heute sein muss, um ein breites Publikum zu finden.

Quast steht für ein Volkstheater, das eher aus dem Kabarett kommt und dem es gelingt, breite Schichten ebenso zu begeistern wie Intellektuelle. Seit 2004 beweist er beim stets ausverkauften Sommerfestival «Barock am Main», dass ein Stück von Molière ebenso auf Hessisch funktioniert wie eine Barockoper. «Weltliteratur zum Anfassen» will er machen. Unterhaltend soll sein Volkstheater sein. Verständlich «ohne theatralische Geheimniskrämerei». Aber trotzdem anspruchsvoll: «Das Publikum will nicht unterfordert werden.»

Die Traditionalisten sind der Auffassung, dass Volkstheater davon lebt, «dass die Menschen im Publikum sich in den Menschen auf der Bühne wiedererkennen», wie Steffen Wilhelm sagt. Er war als Schauspieler und Regisseur am Volkstheater tätig und ist nun einer der Geschäftsführer des Nachfolgevereins. «Wir bringen Alltagssituationen auf die Bühne: Erbschaftsstreitigkeiten, Tratsch im Treppenhaus, die kauzige Frau, der Laden um die Ecke.»

Gerade in Großstädten hat Mundarttheater nicht gerade eine große Lobby. Eines der wenigen Gegenbeispiele ist das Hamburger Ohnsorg-Theater. Vor eineinhalb Jahren bekam die Traditionsbühne ein neues Haus, im ersten Jahr danach lag die Auslastung bei 94 Prozent. In den meisten Metropolen aber sei «die Luft dünn geworden», sagt Intendant Christian Seeler.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1636227?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F201%2F1739836%2F1753681%2F
Systemwechsel positiv angelaufen
Die Ausländerbehörde setzt seit Anfang der Woche verstärkt auf Terminsprechzeiten.
Nachrichten-Ticker