Konzert in Dortmund
Die Pet Shop Boys leben – und wie!

Dortmund -

eine Frage: Das Publikum der Pet Shop Boys liebt nach wie vor die alten Hits. Als Neil Tennant (58) und Chris Lowe (53) am Montagabend in der Dortmunder Westfalenhalle hintereinander „It´s a sin“, „Domino Dancing“, „Always on my mind“ und das unvermeidliche „Go West“ spielen, erreicht die Stimmung den Siedepunkt. Neil Tennant nimmt’s mit einem Lachen zur Kenntnis, bei dem eine gehörige Portion Ironie durchscheint. Er weiß nur zu gut, dass das, was das erfolgreichste Duo der Popgeschichte zu bieten hat, weit über die Gassenhauer von einst hinausgeht.

Dienstag, 02.07.2013, 17:07 Uhr

Die Pet Shop Boys – Neil Tennant (l.) und Chris Lowe – spielten am Montagabend in der Dortmunder Westfalenhalle. Foto: dpa
Die Pet Shop Boys – Neil Tennant (l.) und Chris Lowe – spielten am Montagabend in der Dortmunder Westfalenhalle. Foto: dpa Foto: dpa

Keine Frage: Das Publikum der Pet Shop Boys liebt nach wie vor die alten Hits. Als Neil Tennant (58) und Chris Lowe (53) am Montagabend in der Dortmunder Westfalenhalle hintereinander „It´s a sin“, „Domino Dancing“, „Always on my mind“ und das unvermeidliche „Go West“ spielen, erreicht die Stimmung den Siedepunkt. Neil Tennant nimmt’s mit einem Lachen zur Kenntnis, bei dem eine gehörige Portion Ironie durchscheint. Er weiß nur zu gut, dass das, was das erfolgreichste Duo der Popgeschichte zu bieten hat, weit über die Gassenhauer von einst hinausgeht.

Nein, die Pet Shop Boys sind auch drei Jahrzehnte nach ihrer Gründung keine altersschwachen Zirkuspferde, die in eine Arena getrieben werden, um noch einmal zu zeigen, was sie mal konnten – sie sind nach wie vor auf der Höhe der Zeit. Ihr 2012 erschienenes, eher ruhiges Album „Elysium“ wurde von den Feuilletons und der Musikfachpresse frenetisch gefeiert – und schaffte es, wieder einmal, in die Charts. Nur ein Jahr danach, in der kommenden Woche, erscheint „Electric“, das kaum gegensätzlicher sein könnte: treibende Dance-Beats, die in diesem Sommer die Floors rund um den Globus füllen dürften.

„Vocal“ zum Beispiel, melancholisch und zugleich extrem tanzbar: In Dortmund ist dieser Song der Rausschmeißer. Und es gibt wohl niemanden, der nach dem zweistündigen Konzert die Halle verlässt, ohne felsenfest davon überzeugt zu sein, dass die Pet Shop Boys alles andere als eine Band von gestern sind. Die knapp 20 Songs, die einen repräsentativen Querschnitt durch ihre einzigartige Karriere bieten, machen mehr als deutlich, was für große Hits für die Popmusik-Ewigkeit („West End Girls“) sie geschaffen haben – und wie sehr sie nach wie vor musikalische Trendsetter sind („Love etc.“, „Face like that“).

Die Pet Shop Boys wären nicht die Pet Shop Boys, wenn es bei ihnen nur um Musik ginge. Ihre Show gleicht in weiten Teilen einer Videoinstallation, die so auch im MoMA laufen könnte. Und erst ihre Kostüme! Mal sieht Tennant aus, als sei er – statisch aufgeladen – in einen Haufen Plastikschnipsel gefallen, mal tragen die beiden archaisch anmutende Masken, die auch von Picasso stammen könnten.

Die Pet Shop Boys – sie sind auch an diesem Abend in Dortmund ein Gesamtkunstwerk, und ihr Konzert ist eine perfekte Performance. Keine Frage: Diese beiden Briten haben noch viel vor sich.

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