Interview
Gunter Gabriel: „Ich werde immer ich sein“

Gunter Gabriel machte mit vielen Hits Schlagzeilen („Hey Boss, ich brauch‘ mehr Geld“) – aber auch mit privaten Eskapaden. Alkohol, Frauen und am Ende viele Schulden: Der Musiker hat nichts ausgelassen. Jetzt spielt er sich selbst – im Theaterstück „Ich, Gunter Gabriel“. Zeit also für ein Interview ...

Samstag, 10.08.2013, 16:08 Uhr

Gunter Gabriel in seinem Element: mit Gitarre. Am 22. August hat sein neues Projekt Premiere.
Gunter Gabriel in seinem Element: mit Gitarre. Am 22. August hat sein neues Projekt Premiere. Foto: Foto: dpa

Als Johnny Cash feierte Gunter Gabriel große Erfolge: Er tourte als Hauptdarsteller des Musicals um die Country-Legende durch Deutschland . Dabei ist Gunter Gabriel selbst längst eine Legende. Seit 40 Jahren steht er auf der Bühne, schuf Hits wie „Komm unter meine Decke“ und „Hey Boss, ich brauch‘ mehr Geld“. Bald spielt er sich selbst: Am 22. August hat das Stück „Ich, Gunter Gabriel“ im Berliner Theater am Kurfürstendamm Premiere. In der Hauptrolle: Gunter Gabriel als er selbst. Wie geht das? Unser Redaktionsmitglied Gunnar A. Pier hat mit dem 71-Jährigen gesprochen – und einen kumpeligen Duz-Typen kennengelernt.

Wer, wenn nicht Gunter Gabriel selbst, könnte Gunter Gabriel spielen?

Gabriel: Nur Klaus Kinski. Ben Becker wäre auch ein Guter. Also all diese Verrückten . . .

Stand das zur Debatte?

Gabriel: Nein. So, wie es jetzt läuft, ist es ja eine Sensation, das hat es noch nie gegeben: Ein Stück über so einen Typen, der noch lebt und das dann auch noch selber spielt! Das Fundament dafür ist gelegt worden durch dieses Johnny-Cash-Musical, das so erfolgreich läuft.

Also machst du’s selbst.

Gabriel: Ja, dabei bin ich persönlich eigentlich völlig unwichtig. Ich bin nur ein Synonym für das, was ich vertrete, nämlich: Lebt mehr im Risiko, lebt in einer Art Freiheit, löst euch von den Fesseln irgendwelcher Bürgerlichkeiten! Da steht der Begriff „Freiheit“ ganz oben – als wichtigster Begriff. Geprägt hat mich der Song „Me and Bobby McGee“ mit der Zeile: „Freedom‘s just ano­ther word for nothin‘ left to lose“, also: Frei bist du erst dann, wenn du nichts mehr hast, das du verlieren kannst. Danach habe ich mein Leben ausgerichtet.

Gunter Gabriel - Ein Leben in Bildern

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  • Mit Steffi Stephan beim Jovel-Abschiedsabend am 4. Juni 2006.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Jubiläumskonzert für Draußen am 1. Mai 2009 im Jovel

    Foto: Jennifer von Glahn
  • Jubiläumskonzert für Draußen am 1. Mai 2009 im Jovel.

    Foto: Jennifer von Glahn
  • Deck seines Hausboots in Hamburg

    Foto: dpa
  • Gunter Gabriel im Interview in Münster

    Foto: Matthias Ahlke
  • Der Country- und Schlagersänger Gunter Gabriel protestiert musikalisch am Freitag (21.12.2007) vor einem "Rosinenbomber" gegen die geplante Schließung des Berliner Stadtflughafens Tempelhof.

    Foto: dpa
  • Seine Autobiografie heißt "Wer einmal tief im Keller saß".

    Foto: Verlag
  • Beim Jovel-Abschiedsabend am 4. Juni 2006.

    Foto: Gunnar A. Pier

Hast du es so ausgerichtet, oder ist es einfach so passiert?

Gabriel: Erst mal bin ich ganz normal aufgewachsen. Aber dann hat es sich da hin entwickelt. Du brauchst natürlich auch Mut. Wenn du jetzt zum Beispiel Mut hast, dann kündigst du jetzt sofort deinen Job und sagst: „Ich will nur noch wie Gabriel leben. Dann musst du aber deinen ganzen Scheiß hinschmeißen, möglicherweise auch deine Ehe aufzulösen. Freiheit braucht Mut und Leidenschaft. Und das habe ich mir bewahrt.

Musical

Am 22. August hat das Musical „Ich, Gunter Gabriel” Premiere im Berliner Theater am Kurfürstendamm. Der 71-Jährige spielt sich in der Inszenierung mit viel Musik selbst und lässt dabei auch die vielen teils spektakulären Tiefschläge seines Lebens nicht aus. Zunächst sind bis Ende des Monats elf Aufführungen geplant – Fortsetzung folgt. http://www.ichguntergabriel.de

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Würde es den Ga­briel, den wir heute kennen, geben ohne all die Niederlagen, die du erlitten hast?

Gabriel: Ich würde das nicht „Niederlagen“ nennen, ich war ja nie am Boden. Ich bin wie ein Ei, das vom Tisch fällt, und das man kurz vorm Boden auffängt. Aber natürlich haben mich die Tiefschläge geprägt. Unterhalt dich mal mit Leuten, die immer nur im Glück leben – Du kriegst einen Schreck!

Bereust du etwas?

Gabriel: Ich habe einen Haufen Mist gemacht, und manches bereue ich auch. Speziell im menschlichen Bereich, wenn ich Frauen betrogen habe, die das zum Teil mitbekommen haben. Das kann man nicht mehr rückgängig machen. Ich bereue auch, dass ich mir mal eine Harley Davidson gekauft habe. Wer braucht so eine Scheiße? Dieses Hab-und-Gut-Denken habe ich längst abgelegt.

Gibt es eine Zeit in deinem Leben, in der du gerne verharrt hättest?

Gabriel: Schwer zu sagen. Viele in meinem Alter sagen ja, die beste Zeit sei genau jetzt. Das ist doch ein Klischee. Ich glaube, die beste Zeit ist immer dann, wenn man verliebt ist. Ich war ein paar mal schwerstens verliebt. Wir leben doch immer nur für unser persönliches Glück.

Normalerweise interpretiert ein Schauspieler die Figur, die er spielt. Du spielst Dich selbst, bist also Original und Fälschung zugleich. Wie groß war da die Versuchung, etwas zu beschönigen?

Gabriel: Beschönigen sowieso nicht! Ich bin immer der gewesen, der die Sachen ganz klar auf den Punkt gebracht hat. Wenn du ein Arschloch bist, biste ein Arschloch. Wenn du dich danebenbenommen hast, musst Du auch dazu stehen. Ich werde immer ich sein. Ich bin ja nicht Udo Lindenberg, der sich verstellen muss, der noch so rumnuscheln muss, als ob er zurückgeblieben sei.

Du bist jetzt 71 Jahre alt. Legst du irgendwann die Gitarre zur Seite?

Gabriel: Nein. Ich habe sogar mal ein Foto gemacht, auf dem ich mit der Gitarre auf dem Bauch im Sarg liege. Den hatte ich mir zum 65. Geburtstag gekauft. Die Gitarre gebe ich niemals ab! Aber jetzt tragen wir erst mal alle Songs zusammen, die ich geschrieben habe. Das sind über 1000. Das Material ist großartig. Ich bin selber ganz perplex, was ich Arschloch alles auf die Beine gestellt habe.

Und runter von der Bühne?

Gabriel: Klar. Wenn ich tot bin, bin ich runter von der Bühne. Ich mein, na klar: Ich kann morgen tot umfallen. Aber das geht noch nicht: Meine neue Platte ist noch nicht fertig!

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