Hannes Jaenicke war zu Gast im Erbdrostenhof
Ein Mann und seine Mission

Er kämpft für die Umwelt und den Artenschutz. Und verhilft als Schauspieler diesen Anliegen zu Popularität. Nicht jedem gefällt das. Den Konzernen nicht, denen er vor das Schienbein tritt. Aber auch den Medien nicht, die ihn kritisch als „Vielflieger gegen den Klimawandel“ titulieren. Derlei üble Nachrede prallt am Montagabend beim Sparda-Talk im Erbdrostenhof an dem 53-Jährigen ab wie seine Aufklärungsbemühungen an Tropenholz-Liebhabern. Der zu rettende Regenwald liege leider nicht vor seiner Haustüre, das Equipment für die Doku-Drehs sei nun mal schwer, die CO₂-Bilanz seiner Flüge aber stets ausgeglichen, sagt Jaenicke. Ein Mann, an dem man sich reiben kann.

Dienstag, 19.11.2013, 18:11 Uhr

Hannes Jaenicke hat auch schon als Buchautor deutlich gemacht, dass „jeder für sich tagtäglich viel tun kann, um die Welt besser zu machen“.
Hannes Jaenicke hat auch schon als Buchautor deutlich gemacht, dass „jeder für sich tagtäglich viel tun kann, um die Welt besser zu machen“. Foto: Jürgen Peperhowe

Es liegt an den Thesen, die er vertritt – auch die Schauspielerei betreffend. Er lebe lieber sparsam, statt „falschen Drehbüchern“ nachzugeben, sagt Jaenicke , der in Wien und London ausgebildet wurde und in den USA zwei Semester lang Drehbuchschreiben studiert hat.

Er geißelt die subventionierte Filmwirtschaft in Deutschland , hält die Amerikaner für mutiger, für kreativer. Und er schämt sich für seine Mitwirkung am RTL-Film „Helden – Wenn dein Land dich braucht“, der „total in die Hose gegangen“ sei. Actionfilme – „das können die Amis besser“, sagt Jaenicke, der in den USA aufwuchs und dort bis heute einen Wohnsitz hat. Neben dem in Deutschland.

„Tatort“-Kommissar? Keine Option für Jaenicke. „Das muss man mögen, immer die gleiche Nase zu spielen.“ Tut er allerdings auch. In der „Allein unter ...“-Filmreihe, in der er bislang einen Ex-Bundeswehrsoldaten im Kampfbereich von Familie, Frauen, Töchtern oder Nachbarn spielte. 2014 dreht er Teil fünf der Komödie – als Genre für ihn „die ganz hohe Schule“ der Filmkunst.

Und dann ist der Umweltaktivist Jaenicke an der Reihe. Er redet sich schnell in Rage, wenn es um Konsumkritik und Ressourcenplünderung geht. Dann wirft der hochgewachsene Mann mit Zahlen und Fakten um sich – über den Regenwald, der dem Futtermittelanbau weichen muss, über Plastik, das die Meere verdreckt, und über Monokulturen zur Palmöl-Gewinnung, deren Fläche sich bei ihm in „Überflugminuten“ misst. Man nimmt ihm ab, dass er andere zum Umdenken anleiten will. Doch lebt er, der bald ein Elektro-Auto fahren wird, aber sich auch zwei Motorräder gönnt, selbst konsequent im Sinne der Umwelt? „Ich habe mich noch nie darüber beschwert, durch meine Filme die Welt zu sehen“, ist so ein Satz, der als fragwürdig im Gedächtnis bleibt. Hannes Jaenicke – ein Mann, an dem man sich reiben kann.

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