Jan Josef Liefers im Interview
Am Tatort singt man nicht

Jan Josef Liefers ist nicht nur Schauspieler und als Prof. Boerne einer der beliebtesten Tatort-Ermittler, Liefers tritt seit vielen Jahren auch als Musiker auf. Mit seiner Band Oblivion spielt er am 19. Dezember im Rosenhof in Osnabrück. Im Interview spricht Liefers über die Liebe zur Musik, das Gefühl, im eigenen Leben manchmal „nur eine Randfigur zu sein“ und den Traum, beim Münster-Tatort „aufzuhören, wenn es am schönsten ist“. Außerdem: Warum ein Duett mit Thiel für ihn nicht in Frage kommt…

Samstag, 07.12.2013, 07:12 Uhr

Jan Josef Liefers im Interview : Am Tatort singt man nicht
Der Sänger und Schauspieler Jan Josef Liefers steht mit seiner Band Oblivion im Admiralspalast in Berlin auf der Bühne. Foto: dpa

Anatomie oder Konzertsaal - welche Bühne ist Ihnen lieber?

Sie spielen auf Prof. Boerne an? Na, der macht aus seinem Sektionsraum ja auch am liebsten einen Konzertsaal! Aber keine Sorge, seziert wird bei unseren Konzerten nicht. Wir machen lieber Musik! Und mir ist immer das am liebsten, was als nächstes dran ist. 

Stimmt es, dass Sie Gitarre gelernt haben, um Mädchen besser rumzukriegen?

Mich überhaupt zu trauen, einem Mädchen was vorzusingen, das war die eigentliche Befreiung. Wenn ein Mädchen null auf dich steht, wirst du auch mit einer Gitarre nix groß reißen. Aber ein schönes Lied, nur für eine Person gesungen, kann schon mal den Weg frei machen.

…zumal dann, wenn auch der Text ins Herz trifft. Sie wollen nur noch auf Deutsch singen. Warum?

Besser wär‘s, denn jeder wird jedes Wort verstehen, anders als bei vielen englischen Texten. Sagen wir lieber, es ist mein Anspruch an mich selber und meine Texte. Wenn ich Musik mache, versuche ich, Gefühle zu beschreiben und heraufzubeschwören. Und sie durch Gedanken zu filtern. Was für die Ohren, was fürs Herz - und ein bisschen was für die Denkmaschine. 

Welche Musik beschreibt Ihr aktuelles Lebensgefühl am besten?

Am besten beschreiben das die neuen, eigenen Songs, die wir in unserem Konzert spielen werden. Einen Teil meines aktuellen Lebensgefühls würde ich so beschreiben: Ich bin ein ziemlich aktiver Nutzer sozialer Netzwerke. Wenn man Facebook und Twitter zusammen rechnet, bin ich mit rund 120.000 Menschen in ständiger Verbindung. Wenn ein Münster-Tatort läuft, schauen mehr als 12 Millionen zu. Aber wenn ich in irgendeinem Hotelzimmer meine Tasche aufs Bett schmeiße, werde ich das Gefühl nicht los, in meinem eigenen Leben nur eine Randfigur zu sein. Wie wehrt man sich als Einzelner gegen das große Geschubse, wie findet man seinen eigenen Weg durch die Verschiebungen der großen, weiten Welt? Dem Leben ist es ziemlich egal, ob du glücklich bist oder nicht, ob du klarkommst oder untergehst.

 
Dieser Facebook-Post von Jan Josef Liefers führte zu einer vorübergehenden Sperre seines Profils.

Dieser Facebook-Post von Jan Josef Liefers führte zu einer vorübergehenden Sperre seines Profils. (Foto: dpa)

Wie fallen bei Konzerten die Reaktionen derer aus, die eigentlich  nur mal gucken wollten, ob der „Boerne“ wirklich singen kann…?

Bis jetzt sehr gut, ich klopfe mal auf Holz. Der Boerne ist nur eine Rolle, mich hingegen gibt es wirklich, und ich freu‘ mich auf die Begegnung mit dem wirklich existierenden Publikum! Ich brauch‘ die Gesichter der Menschen, ihre Augen und ihre Reaktionen, das Gefühl des Andockens, dass wir im selben Boot sitzen. Wenn ich auftrete, will ich die Leute gut unterhalten. So gut, dass sie auf dem Heimweg sagen, das war ein schöner Abend, die Kohle für die Karte hat sich gelohnt. Dafür ziehe ich alle Register. Aber ich spiele keine Rolle, ich bin ich. Und singe oder erzähle über Dinge, die mir auffallen und wichtig sind.

Wie sehr beschäftigt Sie Kritik, in der Musik wie in der Schauspielerei?

Wenn ich mit einem Film fertig bin, erfahre ich aus Kritiken selten etwas, was ich nicht vorher auch schon wusste. Das kommt durch die intensive Arbeit. Es gab Beleidigungen und Pöbeleien von Kritikern, aber auch höchstes Lob und Komplimente. Manchmal ärgere ich mich, manchmal freue ich mich, und manchmal ist es mir egal. Am liebsten mache ich meine Sache direkt mit dem Publikum aus.

Ihre Frau Anna Loos ist ebenfalls sehr erfolgreiche Schauspielerin und Sängerin. Sprechen sie mit ihr über Songideen?

Wir tauschen uns aus, klar, spielen uns Songideen vor, reden über Texte. Trotzdem macht jeder seins, keiner versucht den anderen zu beeinflussen oder ihm reinzureden. Songs, so wie Anna und ich sie verstehen, sind etwas sehr Persönliches und dann am besten, wenn jeder sie auf seine Art macht.

Schauspieler- und Sänger Jan Josef Liefers

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  • Der Schauspieler, Musiker, Regisseur und Produzent Jan Josef Liefers wurde 1964 in Dresden geboren.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Jan Josef Liefers würde sofort beim Münster-«Tatort» aufhören, wenn jemand aus der Kernmannschaft geht.

    Foto: Horst Ossinger
  • Seit 2006 ist er mit seiner Band Jan Josef Liefers & Oblivion regelmäßig auf Tournee.

    Foto: Britta Pedersen
  • Dieter "Maschine" Birr (r.) von den "Puhdys" und der Schauspieler und Musiker Jan Josef Liefers (l.) treten beim Auftaktkonzert der Jubiläumstour zum 40. Bühnenjubiläum der Puhdys gemeinsam auf.

    Foto: A3397 Gero Breloer
  • Liefers ist seit 2004 mit der Schauspielerin und Sängerin Anna Loos verheiratet, mit der er zwei Töchter hat.

    Foto: Jörg Carstensen
  • Ohne Haare: Jan Josef Liefers erhält in Berlin bei der Verleihung des Medienpreises "Goldene Henne" im Theater am Potsdamer Platz die Auszeichnung in der Kategorie "Leserwahl Schauspiel" von seiner Kollegin Christine Urspruch.

    Foto: Soeren Stache
  • Im ZDF-Film „Das Kindermädchen“ spielte Liefers die Rolle des Joachim Vernau.

    Foto: ZDF
  • In der Verfilmung von Uwe Tellkamps „Der Turm“ überzeugte Liefers in der Hauptrolle des Richard Hoffmann.

    Foto: Arno Burgi
  • Liefers arbeitet auch als Synchronsprecher („Arielle, die Meerjungfrau“, „Madagascar 1-3“). Hier ist er mit Bastian Pastewka auf der Premiere des Films „Madagascar 2“ zu sehen.

    Foto: A3833 Bodo Marks

Welche Musik läuft bei Ihnen zu Hause?

Ich höre von entspanntem Jazz über Songwriter wie Sufjan Stevens, Yael Naïm, Bands wie Anthony and the Johnsons oder Sigur Rós bis hin zu den Foo Fighters und J.S. Bach sehr verschiedene Musik. Je nachdem, was ich gerade im Schilde führe. Selten dudelt bei mir einfach nur irgendwas im Hintergrund. Wenn ich Musik höre, will ich bewegt werden. Meine Kinder versorgen mich zusätzlich mit allem, was der Mainstream-Popmarkt gerade alles so ausspuckt.

Wie viel Rocker steckt in Prof. Dr. Karl-Friedrich Boerne? Ich glaube ja, der Mann wird unterschätzt.

Immerhin liebt er Richard Wagner, und wahrscheinlich hört er heimlich Death Metal..!

Auch Ihr Kollege Axel Prahl singt und spielt Gitarre. Ist es dasselbe Rüstzeug, das einen Schauspieler zu einem guten Schauspieler und einen Musiker zu einem guten Musiker macht?

Ja! Nahezu alle guten Schauspieler, die ich kenne, sind auch musikalisch oder verfügen zumindest über sehr gutes Gefühl für Rhythmus. Und jeder Musiker muss sich zumindest Gedanken machen, wie er live auf einer Bühne performen will. Darstellung und Musik haben viel gemeinsam.

 

Zum Thema

Jetzt singt er auch noch? Weit gefehlt. Jan Josef Liefers steht seit vielen Jahren mit seiner Band „Oblivion“ auf der Bühne. Gemeinsam haben sie sich in dieser Zeit eine treue Anhängerschaft erspielt. Beim Auftritt in Osnabrück am 19. Dezember werden Liefers und Band neben „dem Besten der letzten Jahre“ u.a. Songs des neuen, deutschsprachigen Albums zum Besten geben, das 2014 erscheinen soll. Sehr erfolgreich waren sie zuletzt mit dem Projekt „Soundtrack meiner Kindheit“, bei dem die Musik im Mittelpunkt stand, mit der Liefers in der ehemaligen DDR groß geworden ist.Tickets (ab 32,25 Euro): www.rosenhof-os.de

...

Sie und Prahl - das schreit nach einem Duett, wie vor Jahren bei Manfred Krug und Charles Brauer im Hamburg-Tatort…

Ich weiß schon, jeder Marketing-Experte würde dringend dazu raten. Aber weder Axel noch mir geht es beim Musikmachen darum, unseren kommerziellen Erfolg zu maximieren. Und wenn man erfolgreich wird, dann bestimmt nicht dadurch, dass man bereits mehrfach aufgebrühte Teebeutel noch ein weiteres Mal in heißes Wasser hängt. Mit Thiel und Boerne haben wir zusammen was hingekriegt, das es vorher so nicht gab. Warum sollten wir nun noch was nachahmen?

Die Reaktionen auf den jüngsten Münster-Tatort waren zwiegespalten. Wie wird der 25.?

Wieder anders. Wir sind gerade mitten in den Dreharbeiten, man kann also noch nicht allzuviel sagen. Aber kein Drehbuch ist wie das andere, und irgendwie müssen wir uns sowieso immer wieder neu erfinden. Alles muss in Bewegung bleiben, auch das kann man von der Musik lernen.

Nur um sicher zu gehen: Sie und der Kollege Prahl denken anlässlich des Jubiläums nicht an ein baldiges Tatort-Aus, oder?

Wir werden auf jeden Fall noch weitermachen. Aber klar ist auch, der Münster-Tatort ist keine Grabstein-Verpflichtung. Es war immer unser Traum, aufzuhören, wenn es am schönsten ist. Das ist für alle das Beste, denn man verabschiedet sich voneinander im Glück!

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