Udo Lindenberg im Exklusiv-Interview
„Ein bisschen Adrenalin hält schön frisch“

Münster/Gronau -

Ein Phänomen mit Hut startet noch mal durch: Im Alter von 68 Jahren geht Panik-Rocker Udo Lindenberg im Juni zum ersten Mal in seinem Leben auf eine Stadiontour. Drei der vier Konzerte sind schon ausverkauft. „Das empfinde ich als überwältigende Liebeserklärung“, sagt er im Interview. Angst macht ihm die Dimension mit fast 200 000 Fans an vier Abenden nicht: „Ein bisschen Adrenalin hält schön frisch.“

Samstag, 11.01.2014, 14:01 Uhr

Udo Lindenberg im Exklusiv-Interview : „Ein bisschen Adrenalin hält schön frisch“
Foto: dpa

Normale Menschen genießen mit 68 ihre Rente. Und du machst deine erste Stadion-Tour …

Lindenberg : Naja, normaler Mensch? Normal ist man ja nicht gerade, wenn man irgendwann beim Überflug über Gronau von einem Planeten abgerutscht und auf einem Doppelkornfeld gelandet ist ...

Trotzdem: Die Dimension der Stadionkonzerte ist für dich neu. Hast du Respekt davor?

Lindenberg: Ja, das ist schon neu. Allein diese ganzen Catwalks zu den gegenüberliegenden Rängen. Da will ich ja auch irgendwie hin... Aber Bammel? Nö. Das ist ein Abenteuer – und ich steh‘ auf Abenteuer! Ein bisschen Adrenalin hält schön frisch. Ich bin ein ewig junges Talent ( lacht ).

Ewig jung – und besser denn je?

Lindenberg: Es war immer anders, und das war auch immer gut so. Inzwischen bringe ich reiche Erfahrung mit und immer mehr Feeling für die Show und die Dramaturgie. Anfangs waren wir wie ‘ne Partyband, jetzt ist das alles ziemlich profimäßig, aber trotzdem nicht total festgelegt. Ich will nicht wie so ‘n Showroboter auftreten, sondern auch ordentlich Freiräume lassen. Die Panikbühne ist eine offene Bühne, und das soll auch so bleiben. Ein kleines bisschen Freistil …

Drei der vier Konzerte sind schon ausverkauft.

Lindenberg: … und das ein halbes Jahr vorher, das gab’s noch nie, das ist unglaublich. Das empfinde ich als überwältigende Liebeserklärung. Annähernd 200.000 Fans an zwei Wochenenden – da ist man ja echt ‘n Rekord-Rocker: Mein Name ist juhUDO!

Panik-Rocker Udo Lindenberg in Gronau

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  • Foto: Lukas Wiedau
  • Udo Lindenberg im Garten seines Elternhauses vor einer Zeichnung, die er als Kind angefertigt hat.

    Foto: Lukas Wiedau
  • Foto: Lukas Wiedau
  • Foto: Lukas Wiedau

Was dürfen die Fans erwarten?

Lindenberg: Gänsehaut pur und einen 200 000-Watt-Voll-Brett-Sound des Panik-Orchesters. Das wird überwältigend! Voll intensiv und supersensibel, eine Begegnung mit der Riesen-Panikfamilie. Ganz viele Fans sind ja schon ewig dabei. Meine Songs gehören nicht nur zu meiner Story, sondern auch zu deren Story, zu deren Biografie. Ich kann‘s kaum erwarten!

Gibt es neue Songs, ein neues Album zur Tour?

Lindenberg: Es gibt die Greatest Hits der Panik-Nachtigall – und ein paar neue bzw. nie gehörte History-Songs: den Soundtrack unseres Lebens von Münster bis Monaco, von Billerbeck bis New York.

Du lädst dir gerne Gäste ein – von Jan Delay bis Stefan Raab. Wer ist bei der Stadion-Tour dabei?

Lindenberg: Die Panik-Bühnenfamily ist sehr groß und voller Überraschungen, das weiß jeder. Wer mitmacht, ist noch ein bisschen geheim: Superstars und Newcomer, die bunte Wundertüte. Mal kiek‘n, wer mitkommt.

Auftakt ist in Düsseldorf – der Stadt, in der alles begann.

Lindenberg: Das ist 100 Jahre her ( lacht ). Mit 15 bin ich von Gronau nach Düsseldorf getrampt – den Daumen im Wind. Ich war Aschenbecherputzer im Breidenbacher Hof, Page, Liftboy, Kellnerlehre und so. War aber ‘ne kurze Karriere. Ein Jahr ungefähr. Dann kam das mit der Musik dazwischen, Gott sei Dank. In der Düsseldorfer Altstadt habe ich angefangen zu trommeln. Mit 16 hatte ich meinen ersten Profi-Job. Und dann ging’s weiter. Und jetzt zur Tour ziehe ich mit den ganzen Pagen und Liftboys rüber ins Stadion. Ich hab‘ die alte Pagenuniform neulich schon anprobiert. Passt immer noch!

Mit welchen Gefühlen denkst du an Leipzig 1990, deinen ersten Auftritt nach dem Mauerfall zurück?

Lindenberg: Die ganze Messehalle ein Tränenmeer – das waren Wahnsinns-Emotionen, so berührend! Ich habe auch geheult auf der Bühne, konnte nicht weitersingen. Die Band musste Pause machen, und der Roadie reichte mir die Whiskeybuddel für ‘nen großen Beruhigungsschluck ...

Du gehörst zu den wenigen Künstlern, die zeitgleich Preise fürs Lebenswerk und für aktuelle Projekte bekommen. Macht dich das stolz?

Lindenberg: Ja, wie oft haben die mich schon fürs Lebenswerk ausgezeichnet ... Witzig, dabei bin ich doch erst gerade mittendrin. Nach dem Lebenswerk geht‘s weiter! Die Inspiration durch meine kleinen Brüder Clueso und Jan Delay hält die Lindenblüte ewig frisch.

Ist das Alter für dich ein Thema?

Lindenberg: So ‘ne irdische Alterszahl ist für einen E.T. scheißegal. Neugierig bleiben im Leben und in der Musik, das ist entscheidend! Immer auf‘m Sprung – das hält jung. Nicht kürzertreten, sondern längere Schuhe anziehen! Der Abenteurer weiß nie genau, was kommt, er setzt seinen Fuß gern ins Niemandsland – und ist stets ready fürs Entdecken von unerforschtem Gelände.

Es gibt viele Menschen, die immer wieder deinen Weg gekreuzt haben. Bist du ein treuer Freund?

Lindenberg: Die Freundschaften sind mir das Wichtigste im Leben – und zwar weltweit. Als Weltenwanderer fühle ich mich überall zu Hause, in allen Kulturen, Religionen, Mentalitäten. Und ich bin überall da geerdet, wo ich Freunde hab‘, egal wo auf diesem Planeten.

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