Ein Besuch bei dem katholischen Schriftsteller und Publizisten Erich Kock in Köln
Den Großen der Zeit begegnet

Köln -

Unter dem Dach eines altehrwürdigen Reihenhauses in Köln-Müngersdorf steht die Zeit still. In kleinen Winkeln zwischen bunten Bücherreihen finden sich Porträtfotos und Totenbildchen: Kardinal von Galen, Ernst Jünger, Konrad Adenauer, Papst Johannes Paul II. Plötzlich hält der Schriftsteller und Publizist Erich Kock (88) ein Schwarz-Weiß-Foto aus den 1960er Jahren in die Höhe: „Das habe ich fotografiert, in Irland.“ Die Aufnahme zeigt einen Mann am Meer. Es ist Heinrich Böll (1917-1985).

Freitag, 31.01.2014, 16:01 Uhr

Eine kurze, intensive Lebens- und Arbeitsphase verbindet Erich Kock mit dem späteren Literaturnobelpreisträger (1972) Heinrich Böll . Zwischen 1961 und 1968 arbeitet der gebürtige Münsteraner als Bölls Sekretär. Kock hat Böll in guter Erinnerung. Nicht allein den Schriftsteller, sondern vor allem den Menschen und Christen Heinrich Böll: „Böll war ein Mann, der nicht einfach nur Nächstenliebe, sondern Nächstenhilfe betrieb“, erinnert sich Kock. Da gab es die vielen Literaten und Dissidenten jenseits des Eisernen Vorhangs, für die Kock in Bölls Auftrag Pakete packte. Vor Weihnachten sagte Böll gerne: „Jetzt lasse ich es Rosen regnen.“ Erich Kock besorgte die Blumen. Außerdem wurden zahllose Päckchen mit „4711“ an Bekannte und Freunde verschickt.

Obwohl Erich Kock seit Jahrzehnten Wahl-Kölner ist, hängt sein Herz an Münster . Erst vor wenigen Monaten streifte Kock mit seiner Frau Gretel noch einmal durch Handorf und den Boniburger Wald.

Seine Erinnerungen an Mutter und Vater, an das Kreuzviertel, an das Paulinum, an NS-Zeit, Krieg und Zerstörung hat Kock vor gut zehn Jahren in dem Buch „Die Jahre wie die Wolken gehen“ zusammengefasst. Die feinen Miniaturen öffnen das Fenster in eine Zeit, die den Katholiken Erich Kock geformt hat.

Krieg und Gefangenschaft in Frankreich führen Kock zum Theologiestudium, das noch im „Stacheldraht-Seminar“ unter der Leitung des Abbé Franz Stock in Chartres beginnt. Nach dem Studium öffnen sich Tore zum Journalismus. Es folgt seit den 1950er Jahren eine fruchtbare, jahrzehntelange Schaffensphase als freier Autor, dann im journalistischen Dienst des Caritas-Verbandes. Als Zeitzeuge begegnet Kock Päpsten und Politikern, Schriftstellern wie Julien Green, Peter Huchel und Nelly Sachs, schreibt und filmt für den WDR religiöse Biografien, analysiert kulturelle und religiöse Phänomene.

„Das Schreiben wird jetzt mühsamer“, sagt Erich Kock in seiner Dachstube, wo ihm demnächst wieder die Frühlingssonne beim Schreiben zuschauen wird. Sein Tagebuch liegt griffbereit. In unregelmäßigen Abständen entstehen kleine Kurzgeschichten, zum Beispiel über einen Maler, der trotz mancher Widrigkeiten an seiner Kunst festhält, oder über einen Mesner, der trotz schwerer Kriegsverletzung in grandioser Hingabe seinen einfachen Dienst versieht und damit sein „Credo“ zum Ausdruck bringt.

Kock ist in diesen Geschichten stets Journalist und Poet mit spiritueller Tiefe. Das ungestillte Heimweh Erich Kocks, so wird es im Gespräch an diesem Wintertag in Köln deutlich, richtet sich auf eine einfache Frömmigkeit und Beheimatung im Glauben, die in der Liturgie Halt und Erhebung findet. Erich Kock ist ein Zeuge der Zeit, ein Zeuge auch des einfachen, unverstellbaren und trotz mancher Schicksalsschläge unbeirrten Glaubens.

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