Kameradin, Konsulin und Königin
Die Schauspielerin Ruth Leuwerik feiert heute ihren 90. Geburtstag / Enge Verbindungen nach Münster

Münster/München -

„Es ist das Volk, Jean!“ haucht Konsulin Buddenbrook ihrem Mann zu, als in Lübeck Revolutionäre lärmend durch die Straßen ziehen. Unvergessen ist Ruth Leuweriks Rolle in der elfteiligen Buddenbrooks-Verfilmung von 1978. Noch ein Münsteraner war damals dabei: Der spätere Burgschauspieler Gerd Böckmann, Jahrgang 1944. Er verkörperte den Bonvivant Christian mit den zu kurz geratenen Nerven in der linken Körperhälfte. Eine ihrer Paraderollen als Preußenkönigin Luise (1957), die Napoleon (René Deltgen) Paroli bietet, lag damals schon über 20 Jahre zurück. Die Zeit rennt: Heute (23. April) vollendet die Schauspielerin Ruth Leuwerik ihr 90. Lebensjahr.

Dienstag, 22.04.2014, 17:04 Uhr

Ruth Leuwerik als junge Schauspielerin in den 1950er Jahren und bei ihrem Münster-Besuch zu ihrem 80. Geburtstag im Jahre 2004. Damals zeigte das Theater Münster Fotos ihrer Bühnenlaufbahn.
Ruth Leuwerik als junge Schauspielerin in den 1950er Jahren und bei ihrem Münster-Besuch zu ihrem 80. Geburtstag im Jahre 2004. Damals zeigte das Theater Münster Fotos ihrer Bühnenlaufbahn. Foto: gap

In Münster verbrachte die gebürtige Essenerin ihre Schul- und Ausbildungszeit. 1994 ehrte sie das Stadtmuseum Münster mit einer Ausstellung zum 70. Geburtstag. Zehn Jahre später, 2004, zeigte das Theaterfoyer Bilder ihrer Bühnenlaufbahn.

Rückblende: Ruth Leuwerik verkörperte mit der Darstellung fürsorglicher und starker Frauen die Vorzeigefrau der 1950er Jahre. Sie galt gar als Inbegriff der „idealen Frau“. So lautete auch der Titel eines Filmes aus dem Jahre 1959. Sie stand als Fotomodell, Unternehmerin, Opernsängerin, Fotoreporterin, Ärztin oder Lehrerin vor der Kamera. In diesen Rollen verkörperte sie weniger die leidenschaftliche Geliebte als eine treue Kameradin. Eine Femme fatale wollte sie nicht sein.

Am Anfang stand die Bühne. Neben ihrer Arbeit als Stenotypistin nahm Leuwerik privaten Schauspielunterricht. Während des Krieges stand sie in Paderborn und Münster auf der Bühne. Über Bremen und Lübeck kam die Tochter eines Essener Kaufmanns 1949 an das Deutsche Schauspielhaus nach Hamburg, wo sie bis 1953 spielte. Besonderen Erfolg hatte sie in Anouilhs „Eurydike“, die sie 1955 am Düsseldorfer Schauspielhaus spielte. Als Gretchen in Goethes „Faust“ erntete sie Beifallsstürme.

Den Durchbruch im Filmgeschäft schaffte sie 1953, als sie gleich an vier Produktionen mitwirkte, darunter „Ein Herz spielt falsch“. Neben Maria Schell und O.W. Fischer bildete sie mit Dieter Borsche das Filmtraumpaar jener Zeit. Kaum eine Schauspielerin war damals so oft auf den Titelseiten der Zeitschriften zu sehen wie sie.

In jenen 13 entscheidenden Jahren ihrer Filmkarriere spielte sie in 29 Filmen mit, von der Komödie bis zur Literaturverfilmung. Neben Marianne Hoppe, Hanna Schygulla und Angelica Domröse gehört auch Ruth Leuwerik zu den Darstellerinnen von Fontanes „Effi Briest“ im Kino.

Mit Streifen wie „Königliche Hoheit“, besonders aber mit der „Trapp-Familie“ als ihrem größten internationalen Erfolg erlangte sie Popularität, die in fünf „Bambis“ ihren Ausdruck fand. Für ihre Leistung in „Geliebtes Leben“ erhielt sie 1954 den Bundesfilmpreis.

Leuwerik interessierte sich auch für die gebrochenen Charaktere, die dunklen Seiten der Filmfiguren. Ein grundlegender Imagewechsel auf der Leinwand gelang ihr allerdings nicht. In den 1960er Jahren zog sie sich von der Leinwand zurück. Man sah sie noch in einigen TV-Produktionen („Derrick“) und als Konsulin Buddenbrook. Zum neuen deutschen Film fand sie aber keine Bindung. In dritter Ehe mit einem Arzt verheiratet – frühere Ehemänner waren der Schauspieler Herbert Fleischmann und der Sänger Dietrich Fischer-Dieskau –, lebt Ruth Leuwerik heute zurückgezogen in München.

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