Ron Carters Golden Striker Trio beim Jazzfest Gronau
Hohe Kunst auf dem Tieftöner

Gronau -

Für Ron Carter hatte der Kontrabass nie eine nur „dienende“ Funktion, musste er sich nie von dem übrigen Instrumentarium einer Jazzcombo emanzipieren. Für den Grandseigneur des modernen Jazz war sein Ins­trument schon immer eines, das jede Funktion in einem Ensemble einnehmen kann. Sei es begleitend, melodieführend oder improvisierend. Am Sonntag de­monstrierte der fast 77-Jährige die hohe Kunst des tieftönenden Instruments bei seinem Konzert im Rahmen des Jazzfestes Gronau. An seiner Seite: Russell Malone (Gitarre) und Donald Vega (Piano), mit denen Carter das „Golden Striker Trio“ bildet.

Montag, 28.04.2014, 18:04 Uhr

Trotz seines doch schon ansehnlichen Alters steht Carter auffallend aufrecht – vielleicht hängt das mit der Größe seines Kontrabasses zusammen, mit dem er mittlerweile eine Art Symbiose eingegangen ist. Carters Finger – lang und feingliedrig wie die Beine eines Weberknechts – bewegen sich zielgerichtet auf dem Steg und auf den Saiten.

Ein langes Solo gibt er. Zu dem liefert Malone dezent (aber ein wenig asynchron) das harmonische Gerüst. Doch Carter spielt sich nicht in den Vordergrund. Das Konzert lebt von der Kommunikation und Spontaneität der drei gleichberechtigten Akteure untereinander. „Musik von Freunden für Freunde“, wie Carter sagt. Und da ist was dran. Man spürt eine menschliche Wärme zwischen den Dreien, die auf die Zuhörer ausstrahlt. Eine Intimität, an der die Musiker die gebannt lauschenden Zuhörer gerne teilhaben lassen.

Eleganz, eine gewisse Lässigkeit und auch eine Prise Humor prägen das Konzert. Der Humor bricht sich bei den zahlreichen musikalischen Zitaten Bahn, die die Musiker augenzwinkernd in die Titel einstreuen (von Louis Armstrong über Nat King Cole bis Bach). Lässigkeit, weil ihre Darbietung unangestrengt wirkt. Und die Eleganz zeigt sich in der Gewandtheit und Kultiviertheit ihres Auftretens.

Einige Titel spielt das Trio in Erinnerung an mittlerweile verstorbene Weggefährten Carters, wie den genialen Gitarristen Jim Hall. Dessen Komposition „Candlelight“ kommt in der Interpretation von Malone zart und glasklar daher.

Wunderbar swingend mit einer leichtfüßigen Latin-Anmutung die Carter-Komposition „Parade“. Knackig trägt Vega das Thema vor, Malone funktioniert seine Gitarre zwischenzeitlich zum Perkussionsinstrument um, und Carter versetzt die Basssaiten in sonore Vibrationen.

Ein Erlebnis für sich auch „My Funny Valentine“, der Standard, den Carter schon vor 50 Jahren mit Miles Davis eingespielt hat, und dem immer wieder neue musikalische Seiten abgewonnen werden.

Nach 100 Minuten intensiven Jazzgenusses verklingt der letzte Ton des Trios. Das Publikum spendet stehend Beifall.

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