Theologe Herbert Vorgrimler mit 85 Jahren gestorben
Herausragender Vermittler des Konzils

Münster -

Die Katholische Theologie hat einen ihrer bedeutendsten Denker und Lehrer verloren: Prof. Dr. Herbert Vorgrimler, von 1972 bis 1994 Ordinarius für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Katholisch- Theologischen Fakultät der Universität Münster, ist am Freitag nach kurzer schwerer Krankheit gestorben.

Sonntag, 14.09.2014, 16:09 Uhr

Vorgrimler zählte zu der Riege jener Theologen, die den Aufbruch der Kirche im Gefolge des 2. Vatikanischen Konzils in den 1960er und 1970er Jahren in zum Teil aufgeladener Atmosphäre mitprägten. Der gebürtige Freiburger, zusammen mit seinem Lehrer Karl Rahner Mitherausgeber des „Kleinen Konzilskompendiums“ und dann in dessen Nachfolge Ordinarius in Münster , argumentierte vor seinen Studenten in Münster stets mit Nachdruck gegen die von Fundamentalisten geäußerte wohlfeile These, das Konzil habe eine Kirchen- und Glaubenskrise ausgelöst. Diese sei längst vorher zu spüren gewesen und ohne das Konzil noch viel gravierender ausgefallen, so betonte Vorgrimler mit Blick auf den Wandel und die Erosion der Volkskirche nach den traumatischen Ereignissen von NS-Wahn, Weltkrieg und Auschwitz .

Bei seiner Emeritierung 1994 brachte Vorgrimler die Grundaufgaben des Theologen von heute noch einmal auf den Punkt: „Die Theologin oder der Theologe muss ein wacher Zeitgenosse der Gegenwart sein. Er muss heutigen Menschen ein Mitmensch sein, ihre Lebensbedingungen teilen und sich in ihrer Sprache ausdrücken.“ Wie sein Lehrer Karl Rahner hatte Vorgrimler bei der theologischen Gottesrede nicht zuallererst blutleer-abstrakte Katechismen, sondern den konkreten Menschen mit seiner Glaubensmystik und Gotteserfahrung im Blick. Hoher wissenschaftlicher Anspruch und eine verständliche Sprache: Beides vereinte Vorgrimler in seinen Werken. Sein „Kleines Theologisches Wörterbuch“ zählte ebenso wie das „Kleine Konzilskompendium“ zu weltweit in vielen Auflagen verbreiteten Standardwerken. Wo seine Theologenkollegen Johann Baptist Metz, Karl Lehmann oder Hans Küng öffentlich in die Bresche sprangen, da wirkte Vorgrimler eher als Mann im Hintergrund, der akribisch forschte, arbeitete und publizierte.

Seine Publikationen zur „Theologischen Gotteslehre“ oder zur „Sakramententheologie“ haben Generationen von Studenten ebenso begleitet wie Bücher, in denen er die Theologie Karl Rahners neu erschloss. 2006 veröffentlichte Vorgrimler im Aschendorff-Verlag seine spannenden Erinnerungen unter dem Titel „Theologie ist Biografie“. In diesem Buch klammerte er auch persönliche Verwerfungen zwischen wissenschaftlicher Theologie und bischöflich verfasster Kirche nicht aus. Hier zeigte sich Vorgrimler noch einmal als streitbarer Theologe. Über manches, was er dort rückblickend reflektierte und öffentlich besprach, hätte man, wie Wegbegleiter bemerkten, sicher auch nobel schweigend hinweggehen können.

Es bleibt für viele Jahrgänge von Theologen die dankbare Erinnerung an einen gerade im persönlichen Gespräch äußerst liebenswürdigen, in der theologischen Schärfe brillanten und in seiner wissenschaftlichen Bedeutung international geachteten Theologen.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2740079?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F201%2F2533866%2F4840598%2F
Verwaltungsrat setzt auf Neuanfang
Turbulenzen im Studierendenwerk
Nachrichten-Ticker