Das Orchestra della Toscana erntet in Münsters Theater Jubel
Mythen, Gipfel, Sahnehäubchen

Münster -

Den schwersten Brocken hatte sich das „Orchestra della Toscana“ für die zweite Hälfte seines Gastspiels im Großen Haus des Theaters Münster aufgehoben: Arnold Schönbergs „Pelleas und Melisande“, ein höchst komplexes Klanggeflecht, komponiert 1902/03, ist die Vertonung eines Dramas des späteren belgischen Literaturnobelpreisträgers Maurice Maeterlinck, in dem es um ein tödliches Dreiecksverhältnis zwischen der schönen Melisande, dem jungen Pelleas und dessen älterem Halbbruder Golo geht. „Ich bin gespannt, wie das mit der eher kleinen Besetzung gelingt“, so hatte Musikdramaturg Jens Ponath noch zur Pause gesagt. Denn ursprünglich hatte Schönberg sein Werk für ein riesiges Orchester mit über 100 Mitstreitern angelegt. Doch das Orchester aus Florenz wob in dieser Fassung für Kammerorchester von Cliff Colnot gleichfalls einen phänomenalen und phasenweise umso luzideren Klangteppich, der die Zuhörer 40 Minuten lang mit ganz unterschiedliche Motiven und Metaphern in Atem hielt, einschließlich eines Glockenspiels, gestopften Blechs bis hin zur Tuba und tiefsten Kontrabass-Gegrummels. Sonderapplaus.

Sonntag, 09.11.2014, 16:00 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 09.11.2014, 16:00 Uhr

Ein faszinierendes, aber nur rund sieben Minuten währendes Klanggewebe hatte das unter seinem souveränen Dirigenten Franceso Lanzilotta musizierende Orchester mit Sitz im Theater Verdi in Florenz und reichlich Tournee-Erfahrung bereits zu Beginn des Auftritts in Münster hergestellt. Giorgio Battistellis Orchesterwerk „Sciliar“, erst 2012 entstanden, verweist auf ein Südtiroler Bergmassiv, dessen Atmosphäre, Geschichte und mythische Bedeutung der Komponist in ebenso bedrohliche wie überraschende Klangsequenzen kleidet. Der eine oder andere Besucher wähnte sich vor grauen Felswänden, auf eisigen Gletschern und unter wolkenverhangenen Gipfeln.

Von Südtirol ging es vor der Pause noch nach Salzburg. Mozarts Haffner-Sinfonie verströmte gerade im furiosen Presto-Schlusssatz höchste Lebensfreude. In der Zugabe setzten die Gäste ihrem Gastspiel mit der Rossini-Ouvertüre „Eine Italienerin in Algier“ noch ein famoses Sahnehäubchen auf. Stehender Applaus!

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