Maybebop begeistert seine Fans und lässt sie auch kunstvoll mitsingen
Hier kommt jeder auf seine Kosten

Münster -

Am Ende hielt es niemanden im Publikum mehr auf den Plätzen. Die vierköpfige A-cappella-Band „Maybebop“ sorgte mit ihrem aktuellen Tourneeprogramm „Schenken – Achtung Weihnachtslieder“ im ausverkauften Kongresssaal der Halle Münsterland für Jubelstürme und stehende Ovationen.

Dienstag, 16.12.2014, 18:12 Uhr

Singen und singen lassen: Die Gesangsformation „Maybebop“ hat ein Händchen fürs Publikum.
Singen und singen lassen: Die Gesangsformation „Maybebop“ hat ein Händchen fürs Publikum. Foto: Markus Lehmann

Zuvor boten die vier Sänger aus Norddeutschland eine Mischung traditioneller und moderner Weihnachtslieder . Zu Beginn erklang aus allen vier Ecken ein ganz und gar braves „Wir sagen Euch an den lieben Advent.“ Doch bald schon sickerten heftige Jazz-Akkorde in die vertrauten Kadenzen. Die sphärische „ Maybebop “-Harmonisierung von Johann Sebastian Bachs „Ich steh’ an Deiner Krippen hier“ mit imitiertem Flügelhornsolo war kompositorisch nicht unbedingt jedermanns Sache. Wohl aber klangen die vier Gesangsstimmen darin in allen Registern als perfekte Einheit. Doch nach soviel Beschäftigung mit traditionellem Liedgut gönnt man sich auf der Bühne erst einmal etwas Entspannung.

„Zsssssschhhhh“, so klingt es aus den Bühnenlautsprechern, als Bassist Sebastian Schröder Daumen und Zeigefinger zusammenpresst und genussvoll einen lange andauernden ersten Zug tut. Die Persiflage von Boney M.’s „Mary’s Boychild“ als verkiffte Reggae-Nummer inklusive entsprechender Choreografie in dichtem Bühnennebel verursacht die ersten Schenkelklopfer bereits vor der Pause. Doch immer wieder wechseln die Programmthemen. Egal ob Junior oder Senior – jeder kommt auf seine Kosten. „So, die Frauenstimmen teilen sich jetzt mal in hoch und tief“, weist Bariton Oliver Gies das Publikum klar an. Selbst rhythmisch komplizierte und mehrstimmige Passagen gelingen danach auf Anhieb. Im Handumdrehen dirigieren die vier Sänger einen riesigen Publikumschor.

Irgendwann lädt Gies das Publikum zur Produktion eines gemeinsamen Songs ein. Dazu bedarf es eines Textes. Dass Gies diesen spontan aus fünf vom Publikum zuvor erfragten Stichwörtern kreiert, ist einigen Zuschauern offenbar bekannt. Bestens auf diesen Programmpunkt vorbereitet ruft ein Junge „Schrittgummi“. Danach folgen noch die Begriffe „Töttchen“, „Kaktus“, „Nasenhaartrimmer“ und „Popel“. Per „Applausometer“ wird noch die musikalische Stilrichtung aus einer Auswahl von Irish Folk, Salsa und Bollywood ermittelt. Dann legt Gies zu „Sitra“-Klängen los: „Ich fahr nach Münster, das ist ein schönes Örtchen. Dort geh’ ich ins Restaurant und ess’ ein Töttchen. Doch was der Koch nicht verraten hat, ist die geheime Zutat ...“

Erst während der dritten Zugabe, der anrührenden Ballade „Ein neues Weihnachtslied“, verbreitet sich besinnliche Stimmung. Und auch das ist wunderbar.

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