Cornelia Froboess im Kleinen Haus
Sie tanzt die Liebe aus

Münster -

Lachend kommt sie hereingestürmt, und kaum hat sie den hohen Hocker hinterm Pult erreicht, als sie dem Publikum auch schon zuruft: „Also, ich habe ein Problem ...“ Aber ein Problem damit, ihren „Liederlichen“ Abend zu beginnen, hat Cornelia Froboess nicht wirklich: Der charmant-überrumpelnde Einstieg gehört zur Rolle der kecken, koketten und gewitzten Mädchen, die Froboess bei ihrem Auftritt in Münsters Kleinem Haus spielt. Fast könnte man meinen, sie hieße wieder Conny ...

Sonntag, 11.01.2015, 16:01 Uhr

Cornelia Froboess tänzelt über die Bühne, Gitarrist Sigi Schwab ist der Fels in der Brandung.
Cornelia Froboess tänzelt über die Bühne, Gitarrist Sigi Schwab ist der Fels in der Brandung. Foto: Manfred Thomas

In den Texten, die teils aus den 20er und 30er Jahren stammen, geht es ordentlich zur Sache mit der Liebe: Da gibt es starke Gefühle und rasches Gefallen, kleine Affären und große Enttäuschungen. Schwärmerisch denkt Bertolt Brecht an seine „Marie A.“ zurück, während Erich Kästner in der „Sachlichen Romanze“ die Tristesse der Gewöhnung schildert. Eine Entdeckung ist Alfred Lichtenstein, dessen „Ärgerliches Mädchen“ es faustdick hinter den Ohren hat – schade, dass Froboess die Stücke nicht ansagt. Sie hat diese Gedichte zwar vor sich auf dem Pult , ist aber weit von einer „Lesung“ entfernt: Da tänzeln jene merkwürdigen Mädchen, die sich auch mal beim Tätowieren verstümmeln lassen oder den lachenden Galan einfach umbringen, lustvoll über die Bühne, da ist die stilisierte Rose, die die Schauspielerin am Gürtel trägt, nur ein weiteres Indiz für die theatralische Kraft ihres Auftritts.

In den wird natürlich auch Gitarrist Sigi Schwab einbezogen, der wie ein Fels in der Brandung der Gefühle sitzt und vor der Pause auch mal einen Kuss auf den Hinterkopf abkriegt. Er ist in diesem Programm ja nicht nur für Zwischenspiele zuständig, die im zweiten Teil des Abends größeren Raum beanspruchen, sondern Garant dafür, dass der Titel „Liederliches“ auch für eine Kunstform steht: Zum lässigen Sprechgesang der Froboess liefert er die flirrende Begleitmusik, und beide zeigen, aus welch grandiosem Repertoire man bei Leonard Cohen oder Nick Cave schöpfen kann. „Tanzen wir die Liebe aus“, heißt es in der Zugabe. Toll.

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