Für Inger Nilsson ist es schwer, eine erwachsene Schauspielerin zu sein
Verfolgt von Pippi Langstrumpf

Münster -

Michelle Barthen kommt aus Nottuln-Schapdetten, ist zwölf Jahre alt, und als sie ihren ersten Film („Der zehnte Sommer") gedreht hat, war sie genauso alt wie Inger Nilsson, als die für „Pippi Langstrumpf' vor der Kamera stand. Die Schwedin sitzt in der Jury beim Filmfestival Münster. Eine gute Chance für Michelle, an der Seite unseres Redaktionsmitglieds Stefan Werding Fragen zu stellen:

Mittwoch, 22.04.2015, 12:04 Uhr

Inger Nilsson stand als „Pippi Langstrumpf" vor der Kamera.
Inger Nilsson stand als „Pippi Langstrumpf" vor der Kamera. Foto: Jürgen Peperhowe

Michelle : Sind Sie zur Schule gegangen, als Sie Pippi gedreht haben?

Inger Nilsson: Nein, wir waren ja weit weg von unseren Eltern. Am Morgen haben wir gedreht, und am Nachmittag mussten wir lernen.

Michelle: Ich musste auch mal mit einem Affen drehen.Wie fanden Sie das?

Nilsson: Nicht so nett. Als ich Herrn Nilson auf meiner Schulter trug, mussten wir ihn dort festbinden, damit ernicht überall hin sprang. Und dann hat er dort Pipi gemacht.Ich habe das wirklich gehasst.

Würden Sie Michelle raten,Schauspielerin zu werden?

Nilsson: {zögert) Ja - wenn sie gerne Theater spielt (druckst ein bisschen herum). Für mich war es schwer, eine erwachsene Schauspielerin zu sein. Viele denken, ich wäre nicht als Inger, sondern als Pippi geboren. Ich habe auf der Bühne gestanden und eine wirklich böse Figur gespielt. Danach sprachen mich Zuschauer an und sagten: „Es hat uns gut gefallen. Aber wir mögen es gar nicht, wenn unsere Pippi so eine Sprache spricht."

Michelle: Haben Sie Neid gespürt?

Nilsson: Nein, als ich zurück zur Schule kam, gab es keine Probleme. Aber wichtig ist,was jetzt passiert. Was immer ich getan habe - ich bin immer mit Pippi in Verbindung gebracht worden.

Hat das Ihre Karriere als Schauspielerin verdorben?

Nilsson: Nein. Man braucht Glück als Schauspielerin (überlegt). Selbst die Regisseure haben Inger und Pippi immer durcheinander gebracht. Wenn ich vorgesprochen habe, sagten sie: „Du bist die beste Schauspielerin. Du hast meine Kindheit gerettet." Aber wenn ich mich über einen Job gefreut habe, hieß es: ,,Oh nein, Pippi können wir nicht gebrauchen."

Michelle, wärst Du gerne Pippi geworden?

Michelle: Ich glaube nicht. Das ist ein Charakter, den ich nicht so spielen könnte. Aber ich habe noch eine Frage: Haben Sie die Anweisungen von Ihrem Regisseur genossen?

Nilsson: Ja, er war zwar sehr streng. Er hat jede Bewegung, jeden Atem geregelt. Da gab es nichts zu improvisieren. Aber ich mochte es.

Waren Sie als Mädchen auch ein bisschen Pippi?

Nilsson: Nein, ich war das Gegenteil. Das Mädchen, das Annika gespielt hat, war die richtige Pippi. Ich war immer die, die beim Streit ihre Mutter anrufen wollte.

Welche andere Figur würden Sie gerne spielen?

Nilsson: Ich würde gerne jemanden spielen, der völlig anders ist als Pippi. Jemanden richtig Böses oder Hässliches.

Was machen Sie, wenn Sie nicht in Münster sind? Schauspielern Sie?

Nilsson: Ja. Und ich arbeite als Sekretärin. Nächste Woche habe ich mit einer freien Gruppe Premiere. Wenn ich am Sonntag wieder in Stockholm bin, muss ich meinen Text wieder lernen.

Michelle: Wie viele Stunden haben sie gedreht? Hier darf ich nicht länger als vier Stunden am Tag drehen.

Nilsson: Wirklich? Nein, wir sind am Morgen angefangen und haben bis abends gedreht. Acht Stunden.

Wenn Sie in Ihrem Hotel fernsehen und Pippi sehen: Schauen Sie ein bisschen oder zappen sie weiter?

Nilsson: Ich weiß es nicht. Vor ein paar Jahren war ich in Dänemark, und da sah ich den Piraten-Pippi-Film. Und da merkte ich plötzlich: Ich wusste das Ende nicht mehr. Gott sei Dank, habe ich gedacht. Das ist so lange her.

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