Flurstücke 2015:
„Wie weit bis zur nächsten Kartoffelpflanze?“

Das Programmheft tituliert ihn als „den grünsten Daumen Münsters“. Als solcher lässt sich Wilm Weppelmann am Freitagmorgen auf einer Brachfläche an der Steinfurter Straße 72, gut sichtbar für vorbeibrausende Autofahrer, bis über die Gürtellinie in einem Hügel Erde versenken. Um sich nach dieser ungewöhnlichen Aktion im Rahmen der „Flurstücke“ auch gleich dafür zu entschuldigen, dass er aus Kostengründen nicht reinste Bio-Erde wählen konnte, sondern nur minderwertigeren Boden. Die Umherstehenden schmunzeln.

Freitag, 19.06.2015, 19:06 Uhr

Wilm Weppelmann auf der Spitze des provisorischen Hügels. 35 Kubikmeter Erde hat er dafür aufschütten lassen.
Wilm Weppelmann auf der Spitze des provisorischen Hügels. 35 Kubikmeter Erde hat er dafür aufschütten lassen. Foto: pn

„Urban Restruction Site I“ heißt die Installation des bekannten freien Gartenakademikers, der zu den Flurstücken seinem Thema Stadtbegrünung treu bleibt. Vom alten TÜV-Gelände aus hat Weppelmann die Stadt „neu vermessen“, wie er erzählt. Allerdings nutzt er andere als die tradierten Maßeinheiten. „Wie weit bis zur nächsten Kartoffelpflanze?“ oder „Wie lange brauchen Sie mit dem Rollator zum Arzt?“ sind für ihn die entscheidenden Werte für eine sinnvolle Stadtentwicklung.

Am Ende steht nicht mehr Weppelmann, der auf dem Höhepunkt der Aktion einen Text des Mönchs Walafried Strabo aus dem Jahr 800 n. Chr. ausruft, auf dem Erdhaufen, sondern ein junger Apfelbaum. Bis Sonntag, dann soll alles wieder weichen. Und während Weppelmann nur mit Unterstützung seiner beiden Helfer der klammen Erde wieder entkommt, ziehen unten schon neue Akteure auf.

Severing Halder begrüßt junge urbane Gärtner, die von ihm in Theorie und Praxis wissen wollen, wie man sich die Hände schmutzig macht und Wissen wuchern lässt. Paul Plamper aus Berlin zielt später auf die Ohren der urbanen Gärtner. Mit Kopfhörern und Audioplayern ausgerüstet, lauschen die Interessierten auf dem alles andere als einladenden ehemaligen TÜV-Areal seiner Produktion „Der Kauf – Hörspiel für Stadtbrachen“. Es erzählt – rückwärts allerdings – vom Wunsch nach Wohneigentum: vom letzten Maklertermin im gründlich gentrifizierten Viertel bis zum Urzustand des Baugrunds als Stadtbrache. Wie man ihn vor Augen hat.

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