Sinfonieorchester Münster bei den AaSeerenaden
Erst Opernträume, dann Feuerregen

Münster -

Lag es an der besonderen Qualität des münsterschen Orchesters, oder hatten die Jungs am Klangregler heimlich eine Schippe draufgelegt? Jedenfalls wirkte der Sound üppiger und sonorer, als das Sinfonieorchester Münster pünktlich um 21 Uhr mit seinem Programm auf der Aasee-Bühne begann. Zuvor hatten die Musiker der Nordtschechischen Philharmonie ihrem großen Landsmann Antonin Dvořák gehuldigt und mit acht Slawischen Tänzen für Stimmung gesorgt. Und nun griffen die Münsteraner das Thema auf, dem schon die eröffnende „Moldau“ gegolten hatte, und servierten schöne Schmankerl aus Smetanas „Verkaufter Braut“.

Sonntag, 28.06.2015, 16:06 Uhr

Ein prächtiges Feuerwerk krönte auch den zweiten Abend der AaSeerenaden, den die Nordtschechische Philharmonie und das Sinfonieorchester der Stadt Münster gestalteten.
Ein prächtiges Feuerwerk krönte auch den zweiten Abend der AaSeerenaden, den die Nordtschechische Philharmonie und das Sinfonieorchester der Stadt Münster gestalteten. Foto: Jürgen Peperhowe

Das „gigantische Orchester “, so erzählte Generalintendant Ulrich Peters in seiner Moderation, war gerade erst von einer anstrengenden Konzertreise nach Garmisch zurückgekehrt, präsentierte sich aber unter der Leitung des Ersten Kapellmeisters Stefan Veselka in prächtiger Verfassung. Und trat doch in seiner Funktion bescheiden zurück, um drei Sängern des Theaters das Podium für „ Opernträume am Aasee “ zu bereiten.

Da präsentierte Bariton Gregor Dalal zunächst die Arie des Hochzeitsvermittlers Kezal. Nach großem Applaus räumte er allerdings den Platz vorm Orchester für die Menschen mit den hohen Stimmen. Sopranistin Henrike Jacob erinnerte mit ihren Koloraturen noch einmal an ihre Erfolge in Verdis „La Traviata“ und überraschte mit der wunderbar schmachtenden Arie aus „Adriana Lecouvreur“, bevor sie im Finale als Carmen-Konkurrentin Micaela das Publikum entzückte. Großer Abräumer des Arien-Abends allerdings war Adrian Xhema, der mit seinen Tenor-Spitzentönen als Manrico und Rodolfo schon musikalisch in jene Höhen zielte, die später vom Feuerwerk spektakulär beleuchtet wurden.

Die sympathischen Solisten, zu denen auch die Cellistin Meehae Ryo bei ihrem Auftritt vor dem tschechischen Orchester gehörte, sind das Sahnehäubchen einer Veranstaltung, die nicht nur angenehmes Sommervergnügen bietet, sondern auch wirkungsvoll für das klassische Programm des Theaters wirbt. Für das Ulrich Peters wiederum der ideale Repräsentant ist: höflich genug, sich zu Beginn seiner Moderation erst einmal vorzustellen, überaus kundig, was die launige Ansage der einzelnen Opern-Hits betrifft – und geschickt darin, seine guten Beziehungen zu den auftretenden Künstlern charmant anzudeuten. Und weil an einem solchen Abend auch ein bisschen Spaß sein muss, wich Gergor Dalal als Stierkämpfer Escamillo kurz mal vom Originaltext ab und haute die Zeile raus „Auf in den Kampf, die Schwiegermutter naht ...“ Das Traviata-Trinklied als Mitklatsch-Zugabe leitete dann schließlich zum grandiosen Feuerwerk über. Ob man das im nächsten Jahr mal wieder mit Live-Musik abbrennen kann?

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