Die Wagner-Festspiele in Bayreuth
Liebespaare, Schiffe, Ratten

Münster/Bayreuth -

Noch einmal sind die Ratten los. In der „Lohengrin“-Inszenierung des alten Skandal-Haudegens Hans Neuenfels haben die putzig verkleideten Chorsänger das Publikum anfangs schockiert, später aber begeistert. Die Inszenierung, von der man sich nun wohl verabschieden muss, wurde allerdings auch durch besondere Sänger zum Bayreuther Publikumsliebling, darunter die deutschen Startenöre Jonas Kaufmann und Klaus Florian Vogt sowie der sonnige Sopran Annette Dasch. Auch 2015 werden Vogt und Dasch das hohe Paar geben, für das es keine Erfüllung gibt. Allerdings hat der Dirigent gewechselt: Anstelle des gefeierten Andris Nelsons leitet nun Alain Altinoglu die Aufführungen.

Freitag, 24.07.2015, 18:07 Uhr

Erwartetes Liebespaar: Stephen Gould als Tristan und Evelyn Herlitzius als Isolde in der neuen Inszenierung von Katharina Wagner.
Erwartetes Liebespaar: Stephen Gould als Tristan und Evelyn Herlitzius als Isolde in der neuen Inszenierung von Katharina Wagner. Foto: dpa

Doch das Paar, auf das alle warten, heißt nicht Lohengrin und Elsa, sondern Tristan und Isolde. Wagners gewaltiges Liebesdrama, zuletzt von Christoph Marthaler in Bayreuth stark unterzuckert in Szene gesetzt, ist in diesem Jahr Chef(innen)-Sache: Katharina Wagner inszeniert, und der neue Musikdirektor Christian Thielemann dirigiert.

Wie das wird? Musikalisch sicherlich betörend, das erwartet man von Thielemann, und das können vielleicht auch seine Protagonisten Stephen Gould und Evelyn Herlitzius einlösen. Ob es ein szenisches Pendant dazu geben wird, bleibt abzuwarten: Katharina Wagner hat mit ihrem Bayreuth-Erstling „Die Meistersinger von Nürnberg“ gezeigt, dass sie originelle Ideen hat und diese auch umzusetzen versteht. Dennoch waren viele Zuschauer und Kritiker der Meinung, ihre Deutung zwischen Kunstakademie und Musikantenstadl sei weit übers Ziel hinausgeschossen. Mal sehen, ob sie sich beim „Tristan“ Zügel anlegt.

„Der fliegende Holländer“, neben dem „Tristan“ die zweite Oper auf großem Schiff , segelt in Jan Philipp Glogers Inszenierung ein bisschen im Windschatten der größeren Stücke. Das größte unter ihnen, nämlich der vierteilige „Ring des Nibelungen“, zieht wegen aktueller und zukünftiger Umbesetzungen wieder besonderes Interesse auf sich: Held Siegfried wird nicht mehr von Lance Ryan, sondern von Stefan Vinke gesungen. Und Dirigent Kirill Petrenko, der sich über den Umgang mit Ryan beklagte, steht nur noch in diesem Jahr am Pult und räumt dann den Platz für Marek Janowski. Muss man noch einmal daran erinnern, dass die Personalie Petrenko, der bei den Berliner Philharmonikern den Vorzug vor Christian Thielemann erhielt, und Thielemanns neuer Posten in Bayreuth für reichlich Gesprächsstoff in den vergangenen Wochen sorgten?

Ach ja, der „Ring“-Regisseur: Auch hier ist abermals das Werk eines alten Skandal-Haudegens zu bestaunen, des eigensinnigen Frank Castorf. Ob Katharina Wagner aus den großen Schatten, die Castorf und Neuenfels werfen, mit „Tristan und Isolde“ heraustreten kann?

Das Publikum könne sich auf eine nüchtern-düstere Szenerie einstellen, sickerte laut Deutscher Presseagentur durch. „Wir versuchen, das alles zeitlich relativ ungebunden auf die Bühne zu bringen“, hat Wagner dem „Münchner Merkur“ verraten. „Es gibt geometrische Räume, die Dreiecksform ist immer präsent.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3404756?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F201%2F4840582%2F4840588%2F
Nachrichten-Ticker