Christoph von Dohnányi eröffnet die Saison in Dortmund mit Beethovens Neunter
Fröhlich statt feierlich

Dortmund -

Die Neunte reicht. Zwar könnte man Beethovens gut einstündiger Chor-Sinfonie auch noch ein kurzes Stück voranstellen. Aber wenn es keinen zwingenden inhaltlichen Zusammenhang gibt und der normale Pausensekt schon vor der Aufführung gefragt ist, spricht nichts gegen eine Neunte als Solitär im Konzert. Zumal bei einer festlichen Saisoneröffnung wie jetzt im Konzerthaus Dortmund.

Freitag, 11.09.2015, 17:09 Uhr

Christoph von Dohnányi und die Sopranistin Katrin Kapplusch bei der Aufführung von Beethovens neunter Sinfonie in Dortmund.
Christoph von Dohnányi und die Sopranistin Katrin Kapplusch bei der Aufführung von Beethovens neunter Sinfonie in Dortmund. Foto: Pascal Amos Rest

Christoph von Dohnányi , am Tag vor der Aufführung 86 Jahre alt geworden, ist allerdings nicht der Typ für ein unreflektiertes Festkonzert. Und das merkte man seiner Interpretation an. Die wirkte zunächst, gespielt vom Philharmonia Orchestra London , als hätten Legenden wie Wilhelm Furtwängler ihr den Segen gegeben: Mit großer Streicherbesetzung und verdoppelten Bläsern schuf Dohnányi im Kopfsatz und Scherzo ein wuchtiges, an drohende Düsternis gemahnendes Klangbild. Zwar hob er dabei eher die liegenden Klänge der Bläser als das Tremolo der Streicher hervor und modifizierte das Tempo nur da, wo Beethoven es vorsah – doch im Vergrößerungs-Sound des Konzerthauses wirkte das viel „altmodischer“, als man es von diesem aufklärerischen Musiker erwartet.

Dass Christoph von Dohnányis Konzept allerdings genau dem Impuls Beethovens entsprach, der bedrückenden Metternich-Zeit nach Waterloo die Schiller-Vision der Freude entgegenzusetzen, merkte man bereits dem wunderbar gelöst musizierten langsamen Satz  und dann natürlich dem großen Finale an, das eher fröhlich als feierlich klang.  Bei den Solisten hatte es zwei Umbesetzungen gegeben, was dem Publikum die Gelegenheit gab, Bayreuths neuen „Siegfried“ Stefan Vinke im Tenorpart zu erleben, der vom Dirigenten flott durch sein Solo geleitet wurde. Hätte der fabelhafte Philharmonische Chor der Stadt Bonn etwas mehr Legato singen dürfen – die Freude wäre noch größer gewesen. 

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