Menahem Pressler im Bagno
Filigrane Bilder auf der Klangleinwand

Steinfurt -

Mit seinen fast 92 Jahren hat er sich noch einmal verliebt. Und wie es sich für einen Musiker gehört, schwärmt der außergewöhnliche Pianist Menahem Pressler, der am Freitagabend mit dem Orchester l’arte del mondo die Bagno-Konzertgalerie in Steinfurt füllte, seit einiger Zeit für ein Musikstück, ein fast unscheinbares Nocturne in cis-Moll von Frédéric Chopin. Das findet sich selten in den großen Werkausgaben, sondern man hat es im Nachlass seiner Schwester Ludowika entdeckt.

Sonntag, 04.10.2015, 17:10 Uhr

Menahem Pressler kam mit Blessuren von einem Sturz auf die Bühne und wurde daher von Dirigent Werner Ehrhardt gestützt.
Menahem Pressler kam mit Blessuren von einem Sturz auf die Bühne und wurde daher von Dirigent Werner Ehrhardt gestützt. Foto: Martin Fahlbusch

Menahem Pressler spielt es gerührt als Zugabe. Hinreißend stellt er die schlichte Schönheit des Themas vor und lässt dann die Glissandi perlen, dass man förmlich die aufspritzenden Wassertropfen in der Herbstsonne zerplatzen sieht. Musik als Klangschauspiel und Ereignis.

So wie das vorher von ihm und dem Orchester unter der bewegten Leitung von Werner Ehrhardt zelebrierte Klavierkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart in B-Dur, KV 595. Nicht pompös, sondern mit einer spielerischen Klangkultur, die wohl nur noch Vertreter dieser Pianistengeneration beherrschen. Dabei wirkt die kleine Klavierlegende zerbrechlich wie ein gläsernes Blatt, bescheiden und dem Publikum beim Hereinkommen fast verlegen zugewandt. Wenn Pressler dann Platz genommen hat, ist alles anders. Dann regiert die Musik, dann atmet und lebt das vorgestellte Werk.

Drei Tage Probezeit hatte sich Pressler ausbedungen, um mit dem wunderbar rauen Klang des historisch informierten Orchesters zu harmonieren. Und als er nach der Orchestereinleitung im ersten Mozartsatz die Pianotöne subtil auf die Klangleinwand tupft, scheinen seine Mitmusiker verzaubert, ihr nächster Einsatz ruckelt gar ein wenig. Aber sie fangen sich umgehend, wagen im zweiten Satz kaum zu atmen und sind am Ende genauso aus dem Häuschen wie das stehend klatschende Publikum.

Das bestens aufgelegte Orchester l’arte del mondo begann den bemerkenswerten Abend mit einer rasanten „Ouverture à Grand Orchestre C-Dur“ von Johann Franz Xaver Sterkel. Und es ließ dem Klavierereignis logischerweise Mozarts „Jupitersinfonie“ folgen: prachtvoll, dynamisch – und mit zauberhaften Bläsern.

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