Westfälisches Landesmuseum erwirbt „Bildnis der Familie Beyerle“ von Johann Christoph Rincklake
Bürgerliches Beisammensein

Münster -

Eine junge Familie sitzt gemütlich im Garten. Die Dame des Hauses erinnert in ihrem fließenden weißen Chemisenkleid mit altrosa Schal und gelben Seidenschuhen an eine Römerin. Ihr Mann rechts ist ebenfalls à la mode gekleidet – mit eng anliegender fliederfarbener Hose und gelb gestreifter Weste. Seine in die Stirn drapierte „Titus“-Frisur erinnert an römische Kaiserbüsten. Das Bild atmet die Zeit des Klassizismus und kündet zugleich vom Bürgerstolz einer münsterischen Familie Anfang des 19. Jahrhunderts. Mit dem „Bildnis der Familie Beyerle“ (1804) von Johann Christoph Rincklake (1764-1813 ) stellt das Westfälische Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster jetzt eine bedeutende Neuerwerbung als Kunstwerk des Monats April vor.

Dienstag, 05.04.2016, 17:04 Uhr

„Bildnis der Familie Beyerle“ (1804) von Johann Christoph Rincklake (1764-1813)
„Bildnis der Familie Beyerle“ (1804) von Johann Christoph Rincklake (1764-1813) Foto: LWL

Kuratorin Dr. Angelika Lorenz darf die erfolgreiche Kunst-Transaktion vor allem auch als ihren Erfolg verbuchen. Für einen „niedrigen sechsstelligen Betrag“ hat das Landesmuseum das Bild von einer münsterischen Erbengemeinschaft erworben. Es habe sich ausgezahlt, über Jahre hinweg den Kontakt zur Familie zu halten, sagt die Referentin und Expertin für die Kunst des 16. bis 19. Jahrhunderts. „Dieses Bild gehört einfach in dieses Museum“, verweist Lorenz zugleich auf die große, fast 80 Gemälde umfassende Sammlung des westfälischen Malers Johann Christoph Rincklake im Museum. Der Maler stammte aus Harsewinkel und starb in Münster .

Rincklakes Familienbild zeigt den in Münster ansässigen Kaufmann und Bier­essigfabrikanten Johann Evangelist Beyerle, seine am Kaffeetisch sitzende Ehefrau sowie die Familie ihrer Tochter mit drei Kindern. Anlass für den Porträtauftrag ist nach Auskunft von Dr. Angelika Lorenz der 50. Geburtstag des Großvaters, den die Enkel mit freudigen Gesten begrüßen.

Im Beisammensein der drei Generationen unter dem Blätterdach einer Gartenlaube, vor der Kulisse eines stattlichen Hauses irgendwo im Zentrum von Münster, äußert sich der Beginn des bürgerlichen Zeitalters. „Nur wenige bürgerliche Familien konnten sich ein solches großformatiges Bild überhaupt leisten“, erklärt Angelika Lorenz auf Nachfrage unserer Zeitung. Gerade deshalb sei es ein so bedeutendes Zeugnis für jene Zeit. Kuratorin Angelika Lorenz weiß das Bild natürlich vortrefflich zu interpretieren: „Wie ein Panorama entfaltet das Familienbild Beyerle die Leitwerte eines sich seiner Bedeutung und Leistung bewusst gewordenen Bürgertums und gibt die Konturen eines neuen Menschenbildes im Porträt wider.“ Zu den Grundfesten bürgerlicher Selbstbestimmung zählten laut Lorenz spätestens seit dem Ende des 18. Jahrhunderts ein harmonisches, liebeerfülltes Ehe- und Familienleben: „Anders als in der alten ständischen Gesellschaft, in der Ehe vor allem der Aufrechterhaltung generationenübergreifender Kontinuität und der Stabilisierung gesellschaftlicher Einflussebenen diente, setzte das Bürgertum Ehe und Familie als sittliche Größen in sein Lebenskonzept ein.“

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