Naturdokumentation „Planet Erde“ in der Halle Münsterland
Monumentales Klangbild

Münster -

Filmmusik sei wie eine kleine Lampe, die man unter der Leinwand platziert, um sie zu erwärmen, befand der amerikanische Komponist Aaron Copland. In der spektakulären BBC-Naturdokumentation „Planet Erde“ spielt die Musik allerdings keineswegs die zweite Geige

Sonntag, 24.04.2016, 16:18 Uhr aktualisiert: 25.04.2016, 14:53 Uhr
Das City of Prague Philharmonic Orchestra unter der Leinwand mit den monumentalen Bildern.
Das City of Prague Philharmonic Orchestra unter der Leinwand mit den monumentalen Bildern. Foto: Müller

Filmmusik sei wie eine kleine Lampe, die man unter der Leinwand platziert, um sie zu erwärmen, befand der amerikanische Komponist Aaron Copland . In der spektakulären BBC-Naturdokumentation „Planet Erde“ spielt die Musik allerdings keineswegs die zweite Geige. Darum durfte bei der Live-Inszenierung ausgewählter Episoden der bildgewaltigen Reihe das City of Prague Philharmonic Orchestra ein um das andere Mal auch die musikalischen Flammen lodern lassen. Auf großer Leinwand, mit viel Schmäh von Stefan Rager moderiert, verschmolzen Bild und Ton zu einer fesselnden, informativen und bewegenden Hommage an Fauna und Flora.

George Fentons Musik zu „Planet Erde“ trägt oft epische Züge. Sie verstärkt die Wirkung der Bilder und macht sich dabei mitunter natürliche Choreografien zunutze. Delfine jagen zu einem beschwingten Marsch. Klagegesang begleitet Elefanten durch ausgedörrtes Land hin zu einer Wasserstelle. Dort tollen sie zu Walzerklängen im Nass herum. Der Flug eines Schwarms Kraniche über den Himalaya wirkt, eskortiert von Streichern und Holzbläsern, die die dünne Luft und eine geradezu betäubende Anspannung förmlich einfangen, umso faszinierender. Die Motorengeräusche des Flugzeugs, von dem aus in 9000 Metern Höhe gedreht wurde, hätten solche Effekte wohl kaum erzielt. Als Adler angreifen, setzen die Sinfoniker punktgenau dramatische Akzente.

In solchen Momenten spielt Dirigent Matthew Freeman die dynamischen Möglichkeiten des Klangkörpers voll aus. Das Gewicht des Orchesters wird spürbar, die Szenerien rücken noch näher an das Publikum, das vorahnungsvoll erlebt, wie Krokodile an einem Flussufer Angst und Schrecken unter Gnus und Zebras verbreiten. Manche Bilder stellen das Empfinden auf eine schmerzhafte Zerreißprobe. Und einmal demonstriert die Musik ihre souveräne Macht mit einer unbequemen, dissonanten Interpretation. Als ein weißer Hai in Zeitlupe durch eine Wasseroberfläche bricht und eine Robbe schlägt, schwillt die Musik ins Majestätische. Grauen oder erhabene Schönheit – eine Frage der Perspektive.

Der Mensch, der weltweit die Naturräume beeinflusst, tritt indes nur -als Beobachter in Erscheinung: Filmer und Fotografen, die oft monatelang in einem Versteck kauern, um ein paar Seiten aus dem Drehbuch der Natur zu erhaschen.

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