Mit Wassernebel und Softstrahl
Christoph Hellbrügge restauriert Breilmann-Figuren vom Dom

Münster -

Münsters Regen war in den zurückliegenden Jahrzehnten nicht viel weniger sauer als anderswo. Im Zusammenspiel mit dem, was Heizungen und Autos in die Luft blasen, entstand ein aggressives Gemisch, das dem weichen Baumberger Kalksandstein in Mauern, Türmen und Gesimsen auf Dauer zusetzt. Auch den vier im Jahre 1964 vollendeten und am Dom angebrachten Figuren des münsterischen Bildhauers Rudolf Breilmann (86) ging es da nicht besser. Garstige schwarze Krusten hatten sich gebildet. Doch jetzt sehen die markanten Paradies-Wächter fast wieder wie neu aus.

Mittwoch, 04.05.2016, 16:05 Uhr

Restaurator Christoph Hellbrügge mit den wie neu aussehenden Breilmann-Figuren vom Dom.
Restaurator Christoph Hellbrügge mit den wie neu aussehenden Breilmann-Figuren vom Dom. Foto: Sigmar Syffus

Der Restaurator und Kunsthistoriker Dr. Christoph Hellbrügge aus Ascheberg hat sie in den vergangenen Monaten fachgerecht in die Hände genommen, gereinigt und hergerichtet. In einem Zwischendepot warten sie nun darauf, nach den Restaurierungsarbeiten am Domparadies wieder ihre alte Position einzunehmen.

Hellbrügge nahm sich zu-nächst die Figur Karls des Großen vor, es folgten der hl. Georg, Erzengel Michael und Münsters erster Bischof, der hl. Liudger. „Zunächst haben wir die Figuren vorsichtig mit Heißdampf gereinigt“, erklärt Hellbrügge das Prozedere. Die durch chemische Reaktion mit dem sauren Regen entstandene Gipskruste wurde anschließend durch sanfte Wasserberieselung reduziert und im Wassernebel gelöst, besonders hartnäckige Verschmutzungs- und Schadstellen an der Oberfläche wurden mit einem Softstrahlverfahren behandelt.

„Seit den 1970er Jahren und auch heute noch sind einige Fachleute der Meinung, man könne durch eine Art Imprägnierung der Außenhaut die Sandsteinfiguren generell schützen“, erzählt der Restaurator. Doch eine solche Imprägnierung bewirke fast das Gegenteil. Wasser dringe durch kleine Poren ein. Die imprägnierte Oberfläche löse sich entsprechend der Eindringtiefe des Imprägniermittels als oberflächenparallele Schicht ab. Mit dem Verlust dieser Epidermis verliere sich auch der künstlerische Wert eines Objektes, sagt der Restaurator. „Falscher Fortschrittsoptimismus“, meint Hellbrügge zu dem Verfahren.

Die jetzt fast neu aussehenden und mit einer Schutzlasur versehenen Sandsteinfiguren liegen gut gesichert auf Paletten in einem Zwischendepot und warten auf die Rückkehr zur münsterischen Kathedrale. „Für etwa eine Generation sollten die jetzt getroffenen Maßnahmen reichen, aber das ist eine Hoffnung, keine Gewissheit“, resümiert Christoph Hellbrügge.

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