Trauer um Prälat Hermann Scheipers
Priester unter zwei Diktaturen

Ochtrup/Münster -

Er war Priester unter zwei Diktaturen, überlebte das Konzen­trationslager Dachau und blieb bis ins hohe Alter ein unermüdlicher Glaubens- und Zeitzeuge, der das Wissen um die dunklen Jahre Deutschlands weitervermittelte: Prälat Hermann Scheipers aus Ochtrup ist am Donnerstag im Alter von 102 Jahren gestorben.

Freitag, 03.06.2016, 12:06 Uhr

Hermann Scheipers (1913-2016).
Hermann Scheipers (1913-2016). Foto: Irmgard Tappe

Seine Lebensgeschichte war reich an seelsorglicher Arbeit, vor allem aber auch an existenziellen Herausforderungen und wundersamen Wendungen. 1936 beendete der 1913 geborene Ochtruper sein Theologie­studium in Münster, wurde 1937 in Bautzen zum Priestergeweiht und trat somit in den Dienst des an Priestern armen Bistums Meißen.

Die Nationalsozialisten verhafteten ihn 1940, weil er sich pastoral für polnische Zwangsarbeiter einsetzte. Scheipers wurde 1941 nach Dachau verschleppt, wo er im Priesterblock dem sicheren Tod ins Auge schaute. Nur durch den mutigen Einsatz seiner Zwillingsschwester Anna (1913-2007), die später viele Jahre in Münster-Sudmühle lebte und 1987 den päpstlichen Orden „ Pro Ecclesia et Pontifice “ erhielt, verdankt er sein Leben.

1942 rettete sie ihn und zugleich viele weitere Priester durch eine mutige Intervention beim SS-Reichssicherheitshauptamt in Berlin vor dem Abtransport als „nicht arbeitsfähig“ aus dem Invalidenblock des KZ Dachau in die NS-Tötungsanstalt Hartheim bei Linz.

Bei Kriegsende gelang Scheipers auf einem Todesmarsch die Flucht. Er wirkte nach dem Zweiten Weltkrieg weiter segensreich im Bistum Dresden-Meißen. In der Schirgiswalder Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt war er von 1960 bis 1983 Pfarrer. 1983 trat Hermann Scheipers in den Ruhestand und kehrte ins Bistum Münster und schließlich auch in seine Heimatstadt Ochtrup zurück. 2012 feierte er sein 75-jähriges Priesterjubiläum. In seinen letzten drei Lebensjahrzehnten berichtete Scheipers in Schulen und Bildungshäusern im In- und Ausland von seinen Erlebnissen unter dem Hitler-Regime und im SED-Staat. Der Mitteldeutsche Rundfunk drehte über ihn und seine Schwester Anna einen Dokumentar-Film.

Die Reihe der Ehrungen reicht vom Bundesverdienstkreuz 1. Klasse bis zum Kavalierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen. Scheipers, 2003 zum Päpstlichen Ehrenprälaten ernannt, war unter anderem Ehrenbürger in Ochtrup, Schirgiswalde und Wilsdruff. Die deutsche Kirche hat einen großen Zeit- und Glaubenszeugen verloren.

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