Wise Guys in Münster wieder mal in Hochform
„Ich grinse in mein eig’nes Telefon“

Münster -

„Der Sputnik-Club – interessantes Ambiente!“, grinst Dän von den Wise Guys. In der Tat: So dicht dran an den Fans sind die schelmischen Fünf wohl selten. Und Anheizen ist hier das Letzte, was nötig wäre. Im Sputnik treten sich die Besucher auf die Zehen; der Raum ist wie eine brütend heiße Sardinenbüchse voller selig mitsingender „Sardinen“. Deutschlands erfolgreichste A-cappella-Gruppe legt mit ihrer berühmten Midtempo-Nummer los: „Wir singen a cappella“, und augenblicklich singt der ganze Saal mit. Manche Fans kennen jede Zeile jedes Liedes – und lassen bis zum Ende keine einzige aus.

Montag, 06.06.2016, 14:06 Uhr

Die Wise Guys in der Sputnik-Halle in Münster. 2017 wollen sie sich auflösen.
Die Wise Guys in der Sputnik-Halle in Münster. 2017 wollen sie sich auflösen. Foto: -zin-

Das kann man verstehen. Die Wise Guys sind sympathische Könner, und das seit nun fast 25 Jahren. Im nächsten Jahr wird die Gruppe sich auflösen. Da mag Abschiedsstimmung im Spiele sein, aber man spürt sie nicht. Zumindest nicht am Anfang. Den bestreitet übrigens aus dem Off das bekannte ironische Raunen des Kabarettisten Dieter Nuhr . Der erklärt per Einspieler die Etikette fürs Konzert: Bitte keine Gewitter aus blitzenden Handys, dafür aber bitte lauter grinsende Gesichter!

Das aktuelle Album „Läuft bei Euch“ will natürlich vorgestellt werden. Da wäre zum Beispiel der wild wuchernde Selfie-Wahn, der in gekonnt ironischer Weise aufs Tapet kommt. „Ich mache tierisch gerne Selfies – ich grinse in mein eig’nes Telefon!“. Ob im überfüllten Fahrstuhl oder sonst wo: die Dokumentation des Augenblicks ist heute Pflicht. „Dü-dipp-dipp-dipp!“ Und am Ende des Songs machen die Wise Guys natürlich ein Selfie von sich und dem Saal. Der Jubel brandet.

Dän, Nils, Sari, Eddi und Björn bleiben ihrem Stil treu: Perfekt imitierte Popband-Klänge mit je einem Lead-Sänger – chorische Akkordpassagen sind die Ausnahme. Nach diversen Umbesetzungen ist Bass Björn „auf den letzten Metern“ noch neu dabei. Die Stimmung ist teils melancholisch-traurig, wenn Nils von einer zerbrochenen Freundschaft singt („Wo bist du“), doch die „Sonnencreme-Küsse“ begrüßen den Sommer. Und wenn die Fans den „Engel“ mitsummen, wirkt die Sauna ganz sakral. „Das klingt als Chor richtig toll“, grinst der Dän zufrieden.

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