Zukunft der WestLB-Sammlung
297 Kunstschätze bleiben in NRW

Düsseldorf/Münster -

Es könnte das Happy End einer musikalischen Liebesgeschichte werden. Violinvirtuose Frank Peter Zimmermann könnte schon bald „seine“ geliebte Stradivari-Geige wieder in Händen halten. Die sehr lange von ihm gespielte „Lady Inchiquin“ hatte er vergangenes Jahr an die Portigon AG zurückgeben müssen. Jetzt wechselt sie zusammen mit 296 weiteren Kunstwerken aus der ehemaligen WestLB-Sammlung in den Besitz einer neuen Stiftung unter dem Dach der Kunstsammlung NRW über.

Montag, 04.07.2016, 17:07 Uhr

Die Skulptur „Working Model for Stone Memorial“ (1961/1969) von Henry Moore (1898-1986) befindet sich im Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster und zählt zu den Kostbarkeiten der Kunstsammlung.
Die Skulptur „Working Model for Stone Memorial“ (1961/1969) von Henry Moore (1898-1986) befindet sich im Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster und zählt zu den Kostbarkeiten der Kunstsammlung. Foto: dpa

Kulturministerin Christina Kampmann unterzeichnete am Montag einen entsprechenden Vertrag, mit dem die Landesstiftung die rund 300 Werke für zusammen rund 30 Millionen Euro aufkauft. Das Geld wird zunächst als Darlehen von der NRW-Bank bereitgestellt. Seine Stradivari – eines von mehreren wertvollen Instrumenten in der Sammlung – solle Zimmermann wieder spielen können, sagte Kampmann. Sie zeigte sich erleichtert darüber, „diese für NRW wichtigen Kulturgüter weiterhin der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“. Die Weichen dafür hatten vor einem Jahr Amtsvorgängerin Ute Schäfer und Finanzminister Norbert Walter-Borjans gestellt. Er nannte den Deal ein „Win-Win-Geschäft“ für Bürger und Bank.

Gesichert sind damit auch wichtige Kunstwerke, die im Landesmuseum in Münster gezeigt werden. Dazu gehören vor allem die Altartafeln von Giovanni die Paolo, die mit sechs Millionen Euro Versicherungsvolumen zugleich die wertvollsten Stücke der Sammlung sind. Auch Henry Moores Plastik „Working Model for Stone Memorial“ bleibt als Dauerleihgabe in Münster.

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Eine Sonderregelung haben Landesregierung und Portigon für die Skulptur „Toleranz durch Dialog“ von Eduardo Chillida gefunden. Das den Westfälischen Frieden aufgreifende Werk kauft das Land direkt, es bleibt am Rathaus in Münster stehen. Die Portigon verzichtet auf eine Klage gegen die Stadt Münster, die ein Denkmalschutzverfahren für die zwei Bänke eröffnet hatte.

Um diese Kunstwerke geht es

Die Portigon AG besitzt als Rechtsnachfolgerin der Westdeutschen Landesbank (WestLB) eine Kunst- und Instrumentensammlung. Insgesamt sind auf der Liste gut 380 Objekte verzeichnet. Zwei der wertvollsten Werke jedoch wurden vor 2015 aus dem Tresorraum von Portigon gestohlen: „Das Haus“ von Gabriele Münter (Schätzwert 600 000 Euro) und Picassos Stier-Lithografien (400 000 Euro). Hier eine Liste mit Werken und den höchsten Versicherungssummen:

► Giovanni di Paolo, Bildtafeln: 6 Millionen Euro (Leihgabe für das Westfälische Landesmuseum Münster)

►Paul Signac, „Constantinople. Yeni Djani“, 4 Mio Euro

►August Macke, „Der Mackesche Garten“, 2,5 Mio Euro

►Eduardo Chillida, „Diàlogo Tolerancia“ (zwei Skulpturen in Münster), 2 Mio Euro

►Morris Louis, Stripes (Gamma Epsilon), 1,2 Mio Euro

►Günther Uecker, „Loose the Paradise“, 1 Mio Euro

►Henry Moore, „Working Model for Stone Memorial 1961“, 500 000 Euro, Leihgabe im Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster.

Die Sammlung enthält weitere Werke etwa von Emil Nolde, Max Ernst, Fernando Botero, Max Bill, Imi Knoebel, Thomas Schütte, Bernard Schultze sowie in London auch Arbeiten der Fotokünstler Thomas Struth, Wolfgang Tillmans und Candida Hoefer.

...

Seit Anfang 2015 hatte ein Runder Tisch über die Zukunft der rund 400 Stücke umfassenden Portigon-Sammlung verhandelt. Zwar war das Stiftungsmodell im letzten Sommer bereits beschlossen worden, die Details standen aber erst jetzt fest. 103 Werke gehen nicht in die Stiftung über, weil sie als nicht bedeutsam genug angesehen werden oder sie in schlechtem Zustand sind. Sie werden verkauft.

Verschollen bleiben elf Stier-Lithografien von Pablo Picasso und das von Gabriele Münter gemalte Bild „Das Haus“. Die Werke waren aus dem Tresorraum der Bank gestohlen worden. Das Land hat mit der Portigon ein Vorkaufsrecht vereinbart, sofern die Bilder wieder auftauchen.

„Ein langer Kampf ist gewonnen“, freute sich der CDU-Kulturpolitiker Thomas Sternberg. Er erinnerte an die Sorge, die Werke könnten verkauft werden und für das Land verloren gehen: „Die Lösung hätte man auch ohne das Tamtam bekommen können.“

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